Live-Review I Vega in Hannover – Ein kompletter Abriss!

Samstagabend, ein ausverkauftes Musikzentrum und dann steht auch noch Vega auf der Bühne, besser kann ein Wochenende wohl kaum sein.

Den Auftakt machte Vegas kleiner Bruder Nio, der das bereits volle Musikzentrum ordentlich einheizte. Und man merkt schnell: Nio hat sich bei seinem großen Bruder einiges abgeschaut. Live war das wirklich richtig stark. Mit viel Energie und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz brachte er die Crowd direkt auf Betriebstemperatur. Auch das Publikum feierte den Auftritt komplett und war erstaunlich textsicher. Wenn dieser Auftritt ein Vorgeschmack auf das war, was noch kommt, werden wir von Nio in Zukunft definitiv noch einiges hören!

Im Anschluss gab es noch einmal 15 Minuten Pause, in denen die Crowd kurz frische Luft schnappen konnte, denn davon gab es im Musikzentrum an diesem Abend definitiv nicht allzu viel. Viel Zeit zum Durchatmen blieb allerdings nicht, denn danach sollte es so richtig losgehen.

Dann übernahm Vega mit dem Track „40/2“ die Bühne und riss das Musikzentrum komplett ab. Eine solche Stimmung erlebt man wirklich selten: Von der ersten Sekunde an ging die gesamte Halle steil. Egal ob Innenraum oder Balkon, wirklich jeder Bereich war in Bewegung und feierte Vega lautstark ab.

Und das ist alles andere als selbstverständlich. Vega erzählte direkt zu Beginn des Konzerts, dass er gerade einmal 60 Minuten zuvor aufgrund eines allergischen Schocks noch vom Rettungsdienst behandelt worden war, der Auftritt stand zwischenzeitlich sogar auf der Kippe. Seine Nase war zu diesem Zeitpunkt eigenen Worten zufolge „dreimal so dick wie sonst“. Doch davon war auf der Bühne kaum etwas zu spüren. Vega gab von der ersten Sekunde an alles und lieferte trotz der gerade erst überstandenen Situation eine Performance ab, die der Energie der ausverkauften Halle in nichts nachstand.

Wer Vega bisher nicht kennen sollte, kann sich seine Musik ungefähr so vorstellen: ein Künstler, der Songs im Repertoire hat, bei denen die gesamte Venue komplett explodiert und gleichzeitig Tracks, bei denen selbst dem vermeintlich härtesten Mann schon mal eine Träne über die Wange kullert. Diese Mischung aus brachialer Energie und emotionaler Tiefe ist eine der großen Stärken von Vega. Und das Ganze auf einem lyrischen Niveau, das zweifellos zur deutschen Rap-Elite gehört.

Vega lieferte an diesem Abend eine musikalische Zeitreise durch seine gesamte Schaffensphase. Aus nahezu allen Alben fanden ausgewählte Songs ihren Platz in der Setlist von älteren Klassikern bis hin zu unveröffentlichten Tracks. So wurde nicht nur die gesamte Karriere des Frankfurters abgedeckt, sondern auch deutlich, wie vielseitig sein musikalisches Schaffen über die Jahre geworden ist.

Was natürlich nicht fehlen durfte, waren die absoluten Live-Granaten. „König ohne Krone“ und „Hip-Hop & Rap“ sind dabei nur zwei Beispiele. Immer wieder wurden Moshpits und sogar Wall of Deaths aufgemacht, während die Crowd jeden Song komplett mitrappte und das Musikzentrum zum Beben brachte.

Doch Vega kann nicht nur die Halle zum Beben bringen. Songs wie „Überlebt“ oder „Teil von mir“zeigten auch seine emotionale und verletzliche Seite. Während bei vielen Tracks die gesamte Venue eskalierte, wurde es bei diesen Songs spürbar ruhiger und emotionaler. Genau diese Mischung aus Härte, Emotion und lyrischer Tiefe macht Vega als Künstler so besonders.

Was natürlich auch nicht unerwähnt bleiben darf, ist die Lichtshow. Gerade für die Größe der Bühne und die Location war die wirklich verdammt gut. Oft wird bei kleineren Konzerten am Bühnenbild oder an der Lichtshow eher gespart, hier war davon absolut nichts zu merken. Die Lichter haben die einzelnen Songs richtig gut unterstützt und insgesamt einfach verdammt viel Bock gemacht.

Auch Vega selbst war von Hannover sichtlich angetan. Sowohl vor Ort als auch im Nachgang auf Instagram ließ er durchblicken, dass es für ihn einer der besten Auftritte seines Lebens gewesen sei. Und wenn ein Künstler nach so einer langen Karriere so etwas sagt, dann hat das definitiv etwas zu heißen! 

Am Ende bleibt ein Abend, an den sich wohl alle noch lange erinnern werden. Von der ersten bis zur letzten Minute hat einfach alles gepasst: eine ausverkaufte Halle, eine Crowd, die komplett mitging, starke Live-Momente, emotionale Songs und dazu eine Lichtshow, die das Ganze perfekt abgerundet hat. Für mich persönlich ist dieser Auftritt schon jetzt ein heißer Anwärter auf das Konzert des Jahres. Selten hat sich ein Konzert so intensiv und gleichzeitig so rund angefühlt. Vega hat einmal mehr gezeigt, warum er seit Jahren zu den besonderen Künstlern im deutschen Rap gehört und Hannover hat an diesem Abend definitiv geliefert.

Fotocredit:
Jonah Voigt