Show Me The Body – Alone Together

Es gibt Bands, die machen Musik für den Club, und es gibt Show Me The Body. Das Kollektiv aus Queens macht Musik für das nackte Überleben auf den Straßen der Großstadt. Wer die Band um Frontmann Julian Cashwan Pratt in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß, dass einen hier kein polierter Standard-Sound erwartet. Das größte Alleinstellungsmerkmal bleibt auch auf der neuen Platte bestehen: Post-Hardcore komplett ohne klassische Gitarren. Stattdessen regiert hier eine abrasive Wand aus Industrial-Noise, Rap-Attitüde und einem bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Banjo. Mit Alone Together treiben sie diesen Ansatz nun auf die Spitze. Das Trio fokussiert sich härter denn je auf das, was sie einzigartig macht. Das Ergebnis? Ein musikalischer Molotow-Cocktail, der gleichzeitig zutiefst erschüttert und seltsam warm umarmt – oder so.

Wenn das Banjo zur Waffe wird

Schon der Einstieg bricht mit jeglichen Genre-Konventionen. Das Intro empfängt uns nicht mit Feedback-Gewittern, sondern mit einsamen, melancholischen Jazz-Hörnern, über die Pratt uns ein repetitives „Welcome“ entgegenschreit. Doch die Ruhe währt nur kurz. Der Übergang zu „Eat For Peace“ schlägt ein wie eine Granate: Tonnenchwere Drums, ein knurrender Bass von Harlan Steed und Pratts charakteristisches Banjo schneiden durch die Luft. Dazu peitscht das Mantra der Platte: „Radical love compels me to fight.“

Dieses Album ist kein atmosphäres Hintergrundrauschen, es ist eine direkte Konfrontation. Ein perfektes Beispiel dafür ist „No God“. Hier treibt die Band ihr ureigenes Soundgewand in ungeahnte Höhen. Pratts rauer Half-Rap verwandelt sich im Finale in ein markerschütterndes Kreischen: „I need to make it real!“ – getragen von brutalen Snares und einer Basswand, die einem die Eingeweide umdreht.

Ein ganz besonderes Highlight in Sachen Rhythmus und Härte ist „Dance In The USA“. Der Track trägt extrem deutliche, kalte Industrial-Einflüsse in sich. Angetrieben von einem betont trockenen, minimalistischen Beat schneiden sich düstere Electro-Sounds durch die Luft, ohne dass die Nummer auch nur ein Fünkchen ihrer rohen Aggressivität verliert. Gerade diese mechanische, fast unangenehme Präzision drückt unfassbar gut nach vorne.

Große Verluste und radikale Hoffnung

Alone Together ist ein Album der extremen Kontraste, geprägt von den reinsten Formen von Liebe und Verlust. Geschrieben im eigenen Keller-Studio, direkt nach der Geburt von Pratts Tochter, schwingt eine neue, existenzielle Dringlichkeit mit. Gleichzeitig zieht sich die Trauer um verlorene Freunde und Mentoren wie ein roter Faden durch die Songs.

In „Do What’s Right (Happy)“ blicken wir tief in den Abgrund. Es ist diese schmerzhafte Ehrlichkeit, die den Hörer komplett unvorbereitet trifft. Doch Show Me The Body lassen uns nicht im Elend ersticken. Dem gegenüber stehen Ausbrüche fast schon euphorischer Energie wie das überraschend treibende Punk-Stück „Good Time“.

Der finale Titelsong des Albums führt schließlich alle Fäden zusammen. Hier treffen die monumentalen Bläser des Intros auf ein blutkochendes Riff-Gewitter und den ultimativen Aufruf zur Solidarität: „Blessed are those who stand alone.“ Es ist ein zutiefst kathartischer Abschluss für eine Platte, die sich anfühlt wie eine kaputte, aber unaufhaltsame Maschine.

Fazit

Show Me The Body haben jeglichen Ballast abgeworfen und klingen trotz intensiver Besatzungswechsel in den letzten Jahren, deutlicher denn je. Alone Together klingt genau nach dem, was diese Band im Kern schon immer ausmacht – nur fokussierter, lauter und schmerzhafter. Das Album wirkt stellenweise wie ein krasses Wechselbad der Gefühle, das zwischen wütendem Hardcore-Punk, Noise-Rock und düsterem Jazz-Noir oszilliert. Natürlich wird dieser sperrige, absichtlich unbequeme Sound den einen oder anderen abschrecken. Wer jedoch keinen stumpfen Mosh-Hardcore, sondern ein echtes, intensives Kunstwerk sucht, kommt an diesem Meilenstein nicht vorbei.

Anspieltipps: Eat For Peace, Dance In The USA, No God

Show Me The Body – Alone Together

Score

84%
Show Me The Body haben jeglichen Ballast abgeworfen und klingen trotz intensiver Besatzungswechsel in den letzten Jahren, deutlicher denn je.
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