Review: Little Simz – „Sugar Girl“ EP

Review

Als wäre das gefeierte, im Sommer 2025 erschienene Album „Lotus“ nicht schon genug gewesen, legt Little Simz jetzt direkt nach: Mit „Sugar Girl“ veröffentlicht sie am 08.05. überraschend und ohne große Ankündigung ihre nächste EP.

Little Simz zählt seit Jahren zu den prägendsten Stimmen im britischen Rap und hat sich mit einer Mischung aus technischer Präzision, inhaltlicher Tiefe und klarer künstlerischer Haltung eine Ausnahmestellung erarbeitet. Ihre Musik mischt persönliche Geschichten mit Blicken auf gesellschaftliche Themen und bleibt dabei immer offen für neue Sounds. Statt sich auf einen festen Stil festzulegen, probiert sie immer wieder unterschiedliche Richtungen aus und entwickelt ihren Sound stetig weiter.

Mit „Sugar Girl“ präsentiert uns Little Simz vier neue Songs, die es wieder absolut in sich haben. Auch wenn die EP mit nur vier Tracks recht kompakt ausfällt, wirkt sie keinesfalls wie ein Nebenprojekt. Stattdessen nutzt Little Simz die kurze Laufzeit, um verschiedene Facetten ihres Sounds zu zeigen, von aggressiven, direkten Rap-Parts bis hin zu ruhigeren, emotionaleren Momenten. Genau dieser Wechsel sorgt dafür, dass „Sugar Girl“ trotz seiner Kürze sehr abwechslungsreich wirkt und sich sehr durchdacht anfühlt.


Track 01: „That’s a No No

Mit „That’s a No No“ liefert Little Simz den wohl kompromisslosesten Song ihrer neuen EP. Der Track verbindet kalte, minimalistische Produktion mit einer aggressiven Performance, die besonders im zweiten Part komplett explodiert. Schon in der ersten Hälfte baut Simz eine bedrohliche Atmosphäre auf, während sie mit Zeilen über Misstrauen, Einfluss und Macht förmlich durch den Beat marschiert. Simz klingt hier nicht wie jemand, der sich beweisen muss, sondern wie jemand, der längst weiß, welchen Einfluss sie auf die aktuelle Raplandschaft hat. Lines wie „Lost count of all the bitches I influenced“ unterstreichen genau dieses Selbstverständnis.

Richtig spannend wird’s im zweiten Part, wo Simz den Flow komplett wechselt: Sie rappt deutlich aggressiver, schneller und technisch noch präziser, wodurch der Song plötzlich so eine fast manische Energie bekommt. Genau dieser Umschwung sorgt dafür, dass „That’s a No No“ immer weiter anzieht und nie in irgendeinen monotonen Loop abrutscht.


Track 02: „Game On“ (ft. JT)

„Game On“ ist einer dieser Tracks, die sofort laut, selbstbewusst und komplett auf „Attitude“ gehen. Schon der ständige Hook „You know when my game be on“ setzt den Ton: Hier geht’s nicht um Zurückhaltung, sondern um Präsenz und Kontrolle. Inhaltlich dreht sich viel um Kontrolle über die eigene Identität und das Abgrenzen von anderen. Lines wie „I don’t need new friend, move on when the season end“ oder „Can’t hold a bitch down these days“ machen ziemlich klar, dass hier Unabhängigkeit im Mittelpunkt steht. Gleichzeitig schwingt auch viel Industry-Kritik mit, vor allem in der Haltung: Wer falsch spielt oder die Grenzen nicht checkt, wird direkt aussortiert.

Das Feature von JT bringt nochmal eine andere Energie rein. Sie geht direkter, frecher und noch konfrontativer an ihre Parts ran, während Little Simz eher diese kontrollierte, kühle Selbstsicherheit behält. Gerade dieser Kontrast macht den Track spannend, weil er zwei unterschiedliche Arten von „Boss Energy“ zeigt. Der Beat unterstützt genau dieses Gefühl ziemlich gut: eher minimal, aber druckvoll, mit viel Raum für Vocals und Ad-libs. Nichts ist überladen, alles wirkt bewusst offen gehalten, damit die Energie der Performances im Vordergrund steht.


Track 03: „Open Arms“ (ft. DEELA)

Mit „Open Arms“ zeigen Little Simz und DEELA eine deutlich ruhigere Seite von „Sugar Girl“ und liefern gleichzeitig den atmosphärischsten Tracks der EP ab. Statt auf große Ausbrüche setzt der Song eher auf einen warmen, fast schwebenden Sound, der sich langsam aufbaut und einen ziemlich schnell reinzieht. Die Percussion läuft konstant im Hintergrund weiter, während die wiederholten „Ó yá, dìde“ (Los, komm hoch/ steh auf) – Chants dem Ganzen etwas Hypnotisches geben. Dadurch fühlt sich der Track weniger wie ein klassischer Rap-Song an und eher wie ein kleiner Moment zum Abschalten.

Auch textlich ist „Open Arms“ deutlich nachdenklicher als viele andere Songs der EP. Es geht viel um Durchhalten, Vertrauen und darum, trotz schlechter Erfahrungen nicht komplett dichtzumachen. Zeilen wie „Stay up and carry on“ oder „Don’t be an enemy of open arms“ wirken fast wie kleine Erinnerungen daran, weiterzumachen, selbst wenn’s schwierig wird. Besonders spannend ist dabei DEELAs Einsatz von Yoruba und nigerianischem Pidgin-Englisch. Gerade dadurch bekommt der Song eine sehr persönliche und warme Atmosphäre, die sich deutlich vom Rest der EP abhebt. Selbst wenn man nicht jede Zeile direkt versteht, transportieren die wiederholten Gesänge und die Art, wie DEELA die Worte betont, unglaublich viel Gefühl. Das wirkt nie erzwungen oder aufgesetzt, sondern gibt „Open Arms“ nochmal mehr Tiefe und etwas sehr Erdendes. Zusammen mit Simz’ ruhiger Performance entsteht dadurch ein Track, der gleichzeitig sanft, emotional und trotzdem sehr kraftvoll wirkt.


Track 04: „Telephone“ (ft. 070 Shake)

Mit „Telephone“ liefern Little Simz und 070 Shake den verträumtesten und gleichzeitig intimsten Song auf „Sugar Girl“. Der Song wirkt deutlich ruhiger als andere Tracks der EP und lebt vor allem von seiner schwebenden Atmosphäre. Die Produktion bleibt eher zurückhaltend, fast schon weich, wodurch die Stimmen und Emotionen viel mehr im Mittelpunkt stehen. Gerade diese Mischung aus warmen Synths und leicht melancholischer Stimmung erinnert stellenweise an modernen Alternative-R&B.

Textlich dreht sich „Telephone“ viel um Nähe, Sehnsucht und dieses komplizierte Hin-und-her zwischen Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit. Immer wieder geht es darum, gebraucht werden zu wollen, ohne dabei die Kontrolle komplett abzugeben.

Besonders gut funktioniert dabei der Part von 070 Shake. Ihre Stimme bringt nochmal mehr Gefühl und Schwerelosigkeit in den Track und passt perfekt zu dieser leicht verträumten Stimmung. Während Little Simz eher kontrolliert und ruhig performt, sorgt Shake mit ihren melodischen Vocals dafür, dass „Telephone“ noch emotionaler und atmosphärischer wirkt. Genau dieses Zusammenspiel macht den Song so stark: Beide Künstlerinnen ergänzen sich, ohne sich gegenseitig die Aufmerksamkeit zu nehmen.

Zum Abschluss zeigt „Telephone“ nochmal eine ganz andere Seite von „Sugar Girl“. Nach den aggressiven und selbstbewussten Momenten der vorherigen Tracks wirkt der Song fast wie ein ruhiger Ausklang der EP. Statt mit maximaler Energie zu enden, entscheidet sich Little Simz dafür, den Fokus auf Stimmung, Emotionen und Verletzlichkeit zu legen und genau das macht „Telephone“ zu einem der spannendsten und gleichzeitig schönsten Songs der gesamten EP.


Fazit:

Unterm Strich zeigt „Sugar Girl“ einmal mehr, warum Little Simz zu den spannendsten Stimmen im britischen Rap gehört. Die EP wirkt trotz ihrer kurzen Laufzeit erstaunlich vielschichtig und durchdacht: Von aggressiven, selbstsicheren Momenten über klare Statements bis hin zu sehr ruhigen, verletzlichen Passagen deckt sie ein breites emotionales Spektrum ab. Gerade diese Mischung aus Selbstbewusstsein und emotionaleren Momenten macht den Reiz aus. Nichts wirkt unnötig, eher so, als hätte jeder Track genau seinen Platz. Insgesamt ist die EP kein großes Statement nach „Lotus“, sondern eher ein kompakter Zusatz, der einfach zeigt, wie sicher Simz gerade in ihrem Sound unterwegs ist.

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Review

As if the acclaimed album “Lotus”, released in the summer of 2025, wasn’t already enough, Little Simz follows up immediately: With “Sugar Girl” she surprisingly releases her next EP without much announcement.

Little Simz has been one of the most defining voices in British rap for years, having carved out a unique position through a mix of technical precision, lyrical depth, and a strong artistic stance. Her music blends personal storytelling with reflections on social themes, while always remaining open to new sounds. Instead of committing to a fixed style, she constantly explores different directions and continues to evolve her sound.

With “Sugar Girl”, Little Simz presents four new tracks that once again pack a serious punch. Even though the EP is fairly compact with only four songs, it doesn’t feel like a side project at all. Instead, she uses the short runtime to showcase different facets of her sound, from aggressive, direct rap sections to quieter, more emotional moments. This constant shift is exactly what makes “Sugar Girl” feel so varied despite its brevity and so carefully crafted.


Track 01: „That’s a No No

With “That’s a No No”, Little Simz delivers arguably the most uncompromising track of her new EP. The song combines cold, minimal production with an aggressive performance that fully explodes in the second half. Right from the beginning, Simz builds a tense, almost threatening atmosphere while moving through the beat with lines about distrust, influence, and power. She doesn’t sound like someone trying to prove herself, but like someone fully aware of her impact on today’s rap landscape. Lines like “Lost count of all the bitches I influenced” underline exactly that mindset.

Things get especially interesting in the second part, where Simz completely switches her flow: she raps faster, more aggressively, and with even sharper technical precision, giving the track a suddenly almost manic energy. This shift keeps “That’s a No No” constantly moving forward and prevents it from ever falling into monotony.


Track 02: „Game On“ (ft. JT)

“Game On” is one of those tracks that immediately comes in loud, confident, and fully driven by attitude. The repeating hook “You know when my game be on” already sets the tone: this is not about restraint, but about presence and control. Lyrically, the track revolves around ownership of identity and setting boundaries. Lines like “I don’t need new friend, move on when the season end” or “Can’t hold a bitch down these days” make it clear that independence is at the center. At the same time, there’s a strong sense of industry critique running through it: anyone who plays the game wrong or oversteps boundaries gets cut off immediately.

The feature from JT adds a different kind of energy. She comes in more direct, more provocative, and more confrontational, while Little Simz maintains her cool, controlled self-assurance. This contrast is exactly what makes the track interesting, as it shows two different versions of “boss energy”. The beat supports this perfectly: minimal but punchy, leaving plenty of space for vocals and ad-libs. Nothing feels overcrowded; everything is intentionally left open so the performances stay in focus.


Track 03: „Open Arms“ (ft. DEELA)

With “Open Arms”, Little Simz and DEELA show a much calmer side of “Sugar Girl” and deliver the most atmospheric track on the EP. Instead of big climaxes, the song relies on a warm, almost floating sound that slowly builds and pulls the listener in. The percussion runs steadily in the background, while the repeated “Ó yá, dìde” (come on, get up / rise up) chants add a hypnotic layer. As a result, the track feels less like a traditional rap song and more like a moment of pause.

Lyrically, “Open Arms” is also more reflective than many other tracks on the EP. It deals with perseverance, trust, and the idea of not shutting yourself off despite negative experiences. Lines like “Stay up and carry on” or “Don’t be an enemy of open arms” feel like reminders to keep going even when things get difficult. DEELA’s use of Yoruba and Nigerian Pidgin English is especially striking here. It gives the song a very personal and warm atmosphere that clearly sets it apart from the rest of the EP. Even without understanding every line, the repeated chants and the way DEELA delivers them carry a huge emotional weight. Nothing feels forced; instead, it adds depth and a grounding quality to “Open Arms”. Together with Simz’s calm performance, the result is a track that feels soft, emotional, and still powerful at the same time.


Track 04: „Telephone“ (ft. 070 Shake)

With “Telephone”, Little Simz and 070 Shake deliver the most dreamy and intimate track on “Sugar Girl”. The song is noticeably more restrained than the others and relies heavily on its floating atmosphere. The production stays soft and understated, keeping the focus on the voices and emotions. The mix of warm synths and slightly melancholic tones even leans towards modern alternative R&B in places.

Lyrically, “Telephone” explores closeness, longing, and the complicated push-and-pull between confidence and vulnerability. Again and again, it touches on the desire to be needed without fully losing control. 070 Shake’s contribution works especially well here: her voice adds weightlessness and emotion, perfectly fitting the dreamy atmosphere. While Simz stays controlled and restrained, Shake’s melodic vocals make the track even more emotional and immersive. It’s exactly this interplay that gives the song its strength: both artists complement each other without competing for space.

To close, “Telephone” reveals yet another side of “Sugar Girl”. After the more aggressive and self-assured moments earlier on the EP, the track feels like a quiet ending. Instead of finishing with intensity, Little Simz chooses mood, emotion, and vulnerability — and that’s exactly what makes “Telephone” one of the most striking and beautiful moments of the entire project.


Fazit:

Overall, “Sugar Girl” once again shows why Little Simz remains one of the most exciting voices in British rap. Despite its short runtime, the EP feels surprisingly layered and intentional: from aggressive, self-assured moments to clear statements and more fragile, emotional passages, it covers a wide emotional range. What makes it work is exactly this balance between confidence and vulnerability. Nothing feels unnecessary; each track feels like it belongs exactly where it is. In the end, the EP isn’t a big statement after “Lotus”, but rather a compact addition that simply underlines how locked in Simz is in her current sound.

Little Simz – Sugar Girl

Score

82%
Die EP wirkt trotz ihrer kurzen Laufzeit erstaunlich vielschichtig und durchdacht: Von aggressiven, selbstsicheren Momenten über klare Statements bis hin zu sehr ruhigen, verletzlichen Passagen deckt sie ein breites emotionales Spektrum ab. Gerade diese Mischung aus Selbstbewusstsein und emotionaleren Momenten macht den Reiz aus.
Fotocredit: