Es gibt Bands, die finden eine Formel, die funktioniert, und reiten sie bis zum Sonnenuntergang. Und dann gibt es Truppen wie From Ashes To New. Die Jungs aus Lancaster, Pennsylvania, hätten es sich nach dem Erfolg von Blackout (2023) leicht machen können. Stattdessen haben Danny Case, Matt Brandyberry und Co. Ende 2023 fast ein komplettes Album in die Tonne gekloppt, um nochmal bei Null anzufangen. Das Ergebnis hört auf den Namen Reflections, erscheint am 17. April über Better Noise Music und wir klären jetzt, ob sich der kreative Kahlschlag gelohnt hat.
Einmal Fegefeuer und zurück
Wer den Vorgänger Blackout (2023) geliebt hat, wird hier nicht im Regen stehen gelassen – ganz im Gegenteil. Der Opener Drag Me knüpft nahtlos an, wo das letzte Album aufhörte, nur mit einer Schippe mehr Dunkelheit im Gepäck. Ordentlich Wumms, die markanten, catchy Hooks und eine Atmosphäre, die zeigt: Es geht noch düsterer.
Thematisch bewegen wir uns auf Reflections (2026) im ständigen Clinch zwischen Himmel und Hölle. Es geht um das Gefühl, es endlich geschafft zu haben, nur um im nächsten Moment wieder im emotionalen Fegefeuer zu landen. Ein Kontrast, den die Band auch musikalisch perfekt ausspielt. Während Forever atmosphärisch düster bleibt, aber Sänger Danny Case in gesangliche Höhen treibt, die man so noch nicht von ihm gehört hat, ist Villain ein absoluter Banger. Hier besinnen sich FATN auf ihre Wurzeln: Die Rap-Passagen sind präsenter denn je, ohne dass der Refrain an Kraft verliert.
Zwischen Linkin Park-Vibes und Modern Core
Besonders spannend wird es, wenn die Band ihre Einflüsse offenlegt, ohne dabei zur Kopie zu werden. Die For You ist so eine kleine Perle. Man fühlt sich unweigerlich an die Minutes To Midnight-Ära von Linkin Park erinnert – und das auf einem Niveau, das absolut ebenbürtig ist. Wer es moderner mag, sollte bei Upside Down die Ohren spitzen. Hat hier jemand Architects gesagt?! Der Track hätte eins zu eins so auf einer Platte der Briten stehen können.
Natürlich gibt es auch die klassische FATN-Vollbedienung. Black Hearts kracht brachial durch die Playlist, bremst in den Strophen kurz ab, nur um im Refrain wieder voll aufzudrehen. Und falls ihr euch fragt, ob die Jungs auch «Oldschool» können: Parasite klingt, als hätten From Ashes To New damals das Linkin Park Debüt Hybrid Theory (2000) geschrieben.
Die Mischung macht’s
Gegen Ende des Albums wird es nochmal richtig interessant. Während Darkside die perfekte Symbiose aus altem und neuem Sound liefert, liefert Falling From Heaven einen kleinen «Aha-Moment». Erst denkt man, den Song in Form von Forever oder Die For You schon gehört zu haben, bis das Ding am Ende förmlich explodiert. Ein echtes Highlight!
Den Sack zu macht schließlich Your Ghost. Hier werden nochmal alle Stärken der Band vereint: Starke Melodien, ein deutlicher Rap-Anteil und eine Energie, auf die Linkin Park heute stolz wären.
Fazit
Kein Drumherumreden: Mit Reflections liefern From Ashes To New genau das Material ab, das sie endgültig in die erste Liga der neueren Szene katapultiert. Sie stehen musikalisch nicht auf der Stelle, sondern verfeinern ihre Formel aus Nu-Metal-Erbe und modernem Rock-Selbstbewusstsein. Fans von Linkin Park und Architects werden sich hier schockverlieben. Ein Album, das locker aus dem ohnehin schon großen Schatten seiner Vorgänger tritt.


