Wenn Blond auf Tour sind, ist ziemlich schnell klar: Das wird kein normaler Konzertabend. Blond war in Hannover zu Gast und hat das aufgeheizte Capitol in aller Blond-Manier abgerissen!
Bevor Blond die Bühne übernommen haben, durfte aber erstmal die Newcomerin „Mariybu“ ran und hat direkt gezeigt, dass sie genau die Richtige ist, um so einen Abend zu eröffnen. Mit ihrem Mix aus hyperpop-inspirierten Beats, Rap-Parts und eingängigen Hooks bringt sie genau den Sound mit, der live sofort funktioniert. Locker, selbstbewusst und null verkrampft stand sie auf der Bühne und hatte das Publikum schnell auf ihrer Seite. Man hat gemerkt, dass viele sie vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatten, umso stärker war der Effekt, wie schnell die Leute drin waren. Die Energie war früh da, die ersten haben schon mitgefeiert, und spätestens zum Ende ihres Sets war klar: besser kann man so einen Abend kaum einleiten.
Nach einer kurzen Umbaupause, in der die Spannung im Capitol spürbar weiter anstieg und sich das Publikum langsam wieder enger vor der Bühne sammelte, wurde klar: Jetzt sind alle bereit für den Blond. Wer noch nie auf einem Konzert von Blond war, sollte genau hinhören, denn das Ganze ist weit mehr als ein klassisches Konzert. Es fühlt sich eher an wie eine Mischung aus Musical und Theater, nur eben mit komplett eskalierendem Publikum im Capitol. Zwischen den Songs passiert fast genauso viel wie in den Songs selbst: kleine Schauspielszenen, ironische Ansagen, spontane Momente, die sich anfühlen, als wären sie nicht komplett durchgeplant. Was außerdem auf keinen Fall fehlen darf, sind die allseits bekannten und für Blond typischen aufwändigen Tanzchoreografien. Genau dadurch entsteht dieser Theater-Charakter man schaut nicht nur zu, sondern ist ständig mitten in einer Art laufender Inszenierung, die aber nie ihre Lockerheit verliert. Und trotzdem bleibt es musikalisch voll auf den Punkt. Gerade in Verbindung mit dem Publikum kippt das Ganze immer wieder von „Show“ zu „kollektiver Ausnahmezustand“. Man lacht, schreit, singt mit und vergisst dabei schnell, dass es eigentlich „nur“ ein Konzert ist.
Die Setlist mit Fokus auf dem neuesten Album „Ich träum doch nur von dir“ hat live super funktioniert. Vor allem die neuen Tracks wurden abgefeiert, als wären sie schon seit Jahren fester Bestandteil. Gleichzeitig hat Blond aber auch genug ältere Songs eingebaut, die sofort für kollektives Mitsingen gesorgt haben. Genau dieser Mix hat super funktioniert: neue Songs, die live direkt tragen und bekannte Tracks, bei denen wirklich jeder im Raum drin war.
Auch das Bühnenbild hat perfekt ins Gesamtbild gepasst. Im Hintergrund hing ein großer Vorhang, der die ganze Show über immer wieder in unterschiedliche Farben getaucht wurde, mal warm, mal knallig, mal fast schon verträumt. Dadurch sind ständig neue Stimmungen entstanden, die die Songs nochmal ganz anders getragen haben. Zusammen mit den klar gesetzten Elementen auf der Bühne wirkte das alles extrem durchdacht, aber trotzdem nicht überladen.
Was den Abend aber wirklich besonders gemacht hat, war dieses Zusammenspiel aus Band und Publikum. Es wirkte nie wie „wir spielen, ihr schaut“, sondern eher wie ein gemeinsamer Moment, der sich immer weiter hochgeschaukelt hat. Dazu die typischen Ansagen: trocken, leicht drüber, sehr Blond und genau deshalb so gut. Unterm Strich war das einfach ein Abend, der richtig Bock gemacht hat. Blond liefern nicht einfach nur ein Konzert ab, sondern schaffen es, dass sich alles wie ein gemeinsamer Moment anfühlt. Irgendwo zwischen Chaos, Humor und richtig guter Musik und genau das bleibt hängen. Wer da war, weiß wovon wir reden und wer nicht: beim nächsten Mal hingehen!


