Ein lauer Sommerabend, eine volle Gilde Parkbühne und ein Line up, das deutlich mehr zu bieten hatte als nur einen Headliner: Am 28. August feierte das «MOTH FEST» seine Premiere in Hannover. Ins Leben gerufen wurde das Festival von Souly rund um sein neuestes Album „Moth Music“. Statt einfach ein paar große Namen zusammenzuwürfeln, holte er vor allem Artists auf die Bühne, die aus seinem musikalischen Umfeld kommen, viele davon enge Freunde und Wegbegleiter.
Den Anfang machten Sekko und Baran Com, bevor mit Ceren, Boondawg, Lucio101 und RIFF RAFF nach und nach weitere Acts die Bühne übernahmen. Auf den ersten Blick vielleicht ein ziemlich bunt gemischtes Line up, auf den zweiten aber eine Auswahl, die erstaunlich gut zusammenpasste. Unterschiedliche Sounds, verschiedene Energien und ganz eigene Styles trafen hier aufeinander, und trotzdem zog sich die Verbindung zu Souly wie ein roter Faden durch den Abend. Gerade Boondawg und Lucio101 passten dabei besonders gut in das musikalische Gesamtbild. Beide bringen ihren ganz eigenen Sound mit und bewegen sich irgendwo zwischen verschiedenen Genres und Einflüssen. Genau diese Mischung aus unterschiedlichen Styles machte am Ende auch einen großen Teil des Reizes des Festivals aus.
Und dass das Publikum richtig Bock auf den Abend hatte, war schon bei den ersten Acts kaum zu übersehen. Hier wurde nicht erst darauf gewartet, dass der Headliner auf die Bühne kommt. Schon früh wurde lautstark mitgesungen, getanzt und gefeiert. Immer wieder gingen mitten in der Menge die ersten Moshpits auf, und das sollte sich durch den gesamten Abend ziehen. Bei beinahe jedem Act wurde es vor der Bühne ordentlich wild, wobei die Pits im Laufe des Abends immer größer wurden.
Nach den energiegeladenen Auftritten seiner Freunde war die Vorfreude auf Souly natürlich entsprechend groß. Als er schließlich selbst die Bühne betrat, fühlte es sich weniger wie ein kompletter Neustart und vielmehr wie der nächste Schritt eines Abends an, der sich schon die ganze Zeit hochgeschaukelt hatte. Die Menge war längst warmgelaufen und machte direkt klar, dass sie auf diesen Moment gewartet hatte. Soulys Songs wurden von den ersten Sekunden an lautstark mitgesungen, vor der Bühne wurde gesprungen und natürlich ließen auch die nächsten Moshpits nicht lange auf sich warten. Die Gilde Parkbühne war spätestens jetzt endgültig im Festivalmodus.
Auch bei der Setlist setzte Souly auf eine gute Mischung: Neben einigen seiner Klassiker fanden natürlich auch Songs von „Moth Music“ ihren Platz im Set. Dazu gab es sogar den ein oder anderen bisher unveröffentlichten Song zu hören, für Fans also gleich mehrere Gründe, besonders aufmerksam zu sein.
Auch abseits der Bühne lief der Abend ziemlich entspannt. Die Organisation vor Ort hat einen wirklich guten Job gemacht. Einlass, Abläufe und die verschiedenen Bereiche wirkten gut organisiert und selbst bei der vollen Location kam nur selten das Gefühl von Chaos auf. Gerade bei einer so großen und gleichzeitig ziemlich aktiven Crowd ist das nicht selbstverständlich. Alles lief weitgehend reibungslos und auch zwischen den einzelnen Auftritten hielten sich längere Wartezeiten in Grenzen.
Für einen zusätzlichen Höhepunkt sorgte schließlich noch UFO361 als Special Guest. Nach einem ohnehin schon vollgepackten Festivaltag war sein Auftritt noch einmal eine kleine Überraschung und passte damit perfekt zum Abend. Gemeinsam mit Souly brachte er außerdem zwei neue Songs mit, die die beiden erstmals live präsentierten. Souly hatte offensichtlich keine Lust auf ein klassisches Festivalprogramm nach Schema F, sondern wollte vor allem sein eigenes musikalisches Umfeld zusammenbringen und dabei offenbar auch ein paar neue Überraschungen aus dem Ärmel schütteln. Und genau das machte das MOTH FEST am Ende so besonders. Es fühlte sich weniger nach einer klassischen Aneinanderreihung von Konzerten an, sondern vielmehr nach einer riesigen Party mit Freunden, nur eben vor mehreren tausend Menschen. Die Artists feierten sich gegenseitig, das Publikum nahm jeden Act mit und die Stimmung blieb von den ersten Voracts bis zum letzten Moshpit konstant hoch.
Die Premiere in Hannover hat damit wunderbar funktioniert. Das MOTH FEST hatte seinen eigenen Vibe, ein abwechslungsreiches Line up und vor allem ein Publikum, das von Anfang bis Ende dabei war. Und lange Zeit zum Durchatmen bleibt nicht: Bereits morgen, am 29. August, geht das MOTH FEST in Frankfurt in die zweite Runde. Wer dabei sein wird und welche Überraschungen Souly diesmal im Gepäck hat, bleibt abzuwarten. Langweilig dürfte es jedenfalls nicht werden.


