Am 27.06.2026 wurde die Bühneninstallation von Kolya Nemoïs durch die Auftritte von ZEENA, Ho99o9 und Show Me the Body im Kesselhaus zum Leben erweckt.
Sobald man das üblicherweise sehr karge Kesselhaus an diesem Abend betrat, wurde einem klar, dass es sich um kein „normales“ Konzert handelt. Die Bühne ist eingerahmt von einer Installation von Kolya Nemoi, bestehend aus zwei riesigen Bannern und lebensgroßen Skulpturen. Dahinter wird eine große LED-Wand mit eigens dafür angefertigten Videos bespielt. Während der Wartezeit bis zum Opening Act ist ebenfalls für eine passende Soundkulisse gesorgt: Industrielle und atmosphärische Sounds begleiten ein fast schon gruseliges Video, das für ordentlich Stimmung sorgt.
Eröffnet wurde der Abend von ZEENA, einer interdisziplinären Künstlerin, die mit einer sehr ruhigen und atmosphärischen Performance eine Art Ruhe vor dem Sturm dargeboten hat. Die Idee, ein Punk-/Hardcore-Konzert mit einem solchen Gegensatz zu eröffnen, war ein spannender Gegensatz zur typischen Konzertstruktur bei Shows dieses Genres.
Ab dem Moment, an dem Ho99o9 die Bühne betraten, war klar, dass die bisherige Ruhe und Atmosphäre vorbei waren. Das Duo, bestehend aus Yeti Bones und theOGM, brauchte keine Minute, um die vordere Hälfte des Kesselhauses in einen Moshpit zu verwandeln (und das bei 40 Grad Außentemperatur, wohlgemerkt). Die Musik der beiden bewegt sich zwischen Hip-Hop, Hardcore, Punk und Industrial. Textlich wird das Ganze von hochpolitischen und selbstreflektierenden Themen begleitet. Ein Mix, der beim Publikum äußerst gut ankam, es gab kaum einen Song, bei dem die Menge stillstand.
Um 23:00 Uhr betreten dann Show Me the Body die Bühne. Die Hardcore-Band aus New York fällt direkt dadurch auf, dass Sänger Julian Cashwan Pratt ein Banjo spielt – ein Instrument, das meines Wissens nach im Hardcore eher selten Verwendung findet. Jedoch wird schnell klar, was Show Me the Body so besonders macht: Für Hardcore typische politische Texte werden von zwar simplen, dafür aber umso schlagkräftigeren Riffs begleitet, bei denen die Pits auch nur wenige Minuten auf sich warten lassen. Nach Aufforderung des Sängers lassen auch Stage-Diver nicht lange auf sich warten, und nach 45 Minuten (dem gleichen Time-Slot, den auch Ho99o9 bekommen hatte) war dieser besondere Abend zu Ende.
Alles in allem lässt sich sagen, dass die Kombination aus Installationskunst und einem durchkuratierten Konzertabend äußerst gut funktioniert und sich jeder Fan von Kunst und Konzerten auf weitere Veranstaltungen freuen kann, die von TRAUMA präsentiert werden.


