Live-Review: „99 Probleme“, aber Hannover war keins – Majan live im Capitol

Live-Review: Majan im Capitol Hannover – 04.12.2025

Das Capitol hat am Donnerstagabend gebebt und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. Majan hat Hannover nicht einfach nur besucht, er hat Spuren hinterlassen. Aber bevor es überhaupt so weit war, hat jemand anderes den Abend schon auf ein überraschend hohes Level gehoben: Support-Act Anaïs.

Anaïs kommt selbst aus Hannover und hat zum ersten Mal im Capitol gespielt. Ausgerechnet in der Venue, in der sie früher selbst auf unzähligen Konzerten stand. Und man hat es ihr wirklich angesehen: Dieses Strahlen, dieses „Ich kann’s selbst kaum glauben“-Grinsen ist keine Sekunde von ihrem Gesicht verschwunden. Mit ihrer halbstündigen Performance hat sie das Publikum sofort abgeholt. Die Stimmung war direkt da: Es war laut, warm und offen. Ein Start, wie man ihn als Support selten erlebt. Hannover war stolz, die eigene Künstlerin war stolz und die Crowd hat ihre Energie geliebt.

Pünktlich um 20:30 betritt Majan die Bühne. Und der Applaus? Ein Erdbeben. Es war, als würde sich die komplette Venue gleichzeitig in die Luft katapultieren. Die ersten Sekunden haben schon klar gemacht: Majan ist on fire. Das Publikum war komplett textsicher und nicht so im Stil von wegen „wir kennen die Hooks“, sondern so „wir schreien dir jede Zeile entgegen, als hätte sie jemand aus unseren Tagebüchern geklaut“. Egal ob neuer Track oder alter Banger: Alles saß. Jeder Song wurde gefeiert.

Die Setlist hatte absolut alles, was man sich wünschen konnte. Neue Songs wie „Goldman Sachs“ oder „Atlantik / One More Time“ haben genauso gezündet wie die Klassiker „Tag ein Tag aus“ oder „1975“, den er damals mit Cro geschrieben hat. Was auch stark war, waren auch die Songs mit Feature-Gästen, selbst wenn die Artists nicht live dabei waren. Die Stimme des Publikums hat völlig ausgereicht. Mit dabei waren Songs wi „Monoton“(feat. Megaloh & Schmyt) und auch da: Jede Zeile sitzt. Und für „99 Sorgen“ holte Majan Anaïs ein zweites Mal auf die Bühne, was den Song live nochmal besonderer gemacht hat. Das Publikum hat es geliebt und Majan ganz offensichtlich auch. Ein überraschendes Highlight: das Glücksrad. Zwei Fans durften drehen und das Rad hat entschieden, welche Songs spontan in die Setlist rutschen. Heraus kamen „Panikweiß“ und „Vodka Fanta“, zwei weitere absoluter Banger.

Was ich wirklich irre fand war, dass Majan zwei Stunden lang durchperformt hat, ohne einmal wirklich anzuhalten. Ohne Nachlassen. Ohne irgendeinen Moment, der auch nur annähernd wie ein Durchhänger gewirkt hätte. Majan hat stimmlich abgeliefert, emotional abgeliefert und live einfach komplett überzeugt.

Was den Abend aber wirklich besonders gemacht hat, war seine offene Wertschätzung. Er hat sich mehrfach bei der Crowd bedankt und super ehrlich darüber gesprochen, wie schwer es Artists aktuell haben: Hohe Kosten, teure Tickets, Menschen, die sich zwei Mal überlegen müssen, was sie sich leisten können. Umso mehr bedeutet es ihm, dass Leute trotzdem kommen. Dass sie da sind. Dass sie ihn unterstützen. Und man hat gemerkt: Das war nicht irgendein typischer „Danke Hannover“-Satz. Er meint das absolut ernst und man hat ihm jedes Wort und jeden Dank abgekauft.

Fazit:

Dieser Abend war lebhaft, laut und voller Energie. Es gab Moshpits, es gab Schunkelmomente, es gab Liebe im Raum. Majan hat eine Show hingelegt, die sowohl Herz als auch Nackenmuskeln beansprucht. Wer gute Musik, eine krasse Stimme und Songs sucht, die zwischen emotionaler Tiefe und Festivalvibes pendeln, der oder die sollte definitiv zu Majan gehen, er ist eine absolute Empfehlung.

Die letzten beiden Stopps seiner Tour sind Münster (ausverkauft) und München. Wer noch eine Chance hat, sollte hingehen, es lohnt sich!

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