Adam ist zurück – und alles ist anders, aber irgendwie doch nicht
Die Nachricht jagte 2024 durch die Rock-Community: Adam Gontier ist zurück bei Three Days Grace. Die Hoffnung war groß, dass die Band damit zu ihrem ikonischen Sound aus den One-X (2006)- und Life Starts Now (2009)-Tagen zurückfindet. Mit Alienation liegt nun das erste Album seit seiner Rückkehr vor – und es ist genau das, was man erwarten würde: eine Mischung aus altem Gontier-Pathos und dem radiofreundlichen Sound der Matt-Walst-Ära. Ist das gut? Ja. Ist es revolutionär? Schauen wir mal.
Wo die Nostalgie richtig kickt
Insgesamt merkte man schon bei den ersten Single Auskopplungen, dass hier stark mit Nostalgie und traditionellem Sound gearbeitet wird. Mayday ist hierbei eindeutig ein modernes Animal I Have Become. Die Bassline gibt den Takt vor und die Vocals beider Frontmänner schlagen uns mal einzeln, mal zusammen um die Ohren. Insgesamt ein guter Aufschlag, jedoch fehlt der gewisse «Aha»-Effekt. Deathwish ist der unbestrittene Höhepunkt des Albums. Der Song klingt, als wäre er direkt aus den Sessions von One-X (2006) übrig geblieben – düstere Lyrics, eingängige Gitarren und dieser typische Gontier-Gesang, der zwischen Verzweiflung und Aggression pendelt.
Zu sicher, zu berechenbar
Leider gibt es auch Tracks, die einfach nur… naja, Three Days Grace by Numbers sind. Never Ordinary und Don’t Wanna Go Home Tonight klingen, als wären sie nach einer Marketing-Studie geschrieben worden: radio-tauglich, aber ohne Biss. Auch der Titeltrack Alienation enttäuscht etwas – man merkt, dass die Band mit elektronischen Elementen experimentieren wollte, aber das Ergebnis wirkt halbherzig. Man fühlt sich dabei etwas in die 2018er Zeit zurückversetzt, in der die Band mit ihrem zweiten Album unter Matt Walst Outsider (2018) versuchte, einige Stranger Things Vibes in das Album zu speisen. Nur leider klappt das Experiment 2025 nicht ganz.
Das große Aber
Trotz aller Kritik: Alienation ist ein solides Album. Die Produktion ist top, die Hooks sitzen, und Gontiers Stimme klingt so gut wie seit Jahren nicht mehr. Songs wie Kill Me Fast oder The Power werden live sicher für Gänsehaut sorgen. Aber genau da liegt das Problem: Es fühlt sich an, als wolle die Band unbedingt gefallen – anstatt einfach nur wütend, traurig oder ehrlich zu sein.
Fazit
Alienation ist kein schlechtes Album. Es ist sogar das beste Three Days Grace-Album seit Transit of Venus (2012). Aber es ist nicht der große Wurf, den sich Fans nach Gontiers Rückkehr erhofft hatten. Die Band spielt zu sicher, zu sehr im Mainstream-Sandkasten. Also genau das Gegenteil von dem, für was One-X damals in der Szene stand. Wer also erwartet, dass One-X 2.0 erscheint, wird enttäuscht sein. Wer sich aber auf eine Mischung aus alt und neu einlassen kann, wird hier viel Spaß haben.


