Dienstagmorgen, noch im Morgengrauen, startete ich meine Reise Richtung Dinkelsbühl. Es ist jedes Jahr derselbe Moment: Der erste Blick aufs Festivalgelände, das Wiedersehen mit den vertrauten Gesichtern und dieses wohlig-aufgeregte Gefühl, das mich sofort einnimmt. Zum dritten Mal in Folge treffen wir uns nun in dieser Konstellation auf dem Summer Breeze, und jedes Mal fühlt es sich weniger wie ein klassisches Festival, sondern mehr wie ein Familientreffen an. Schon ab Sekunde eins hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein, an einem Ort, der für ein paar Tage im Jahr mehr Zuhause ist als jeder andere.
Mittwoch: Der erste richtige Festivaltag
Für ein paar in unserer Gruppe war der Auftakt klar: Gutalax. Schon seit dem letzten Jahr hatten sie dem Auftritt entgegengefiebert, und so standen wir direkt mittags mit einem Grinsen im Gesicht vor der Bühne.
Mich zog es aber kurz zu Defects. Auch wenn ich nur ein paar Songs mitnahm, hat mich diese rohe Energie sofort erwischt : ein Sound, der kantig und gleichzeitig unglaublich treibend war. Danach ließen August Burns Red nichts anbrennen: ein wuchtiges Brett, das die Hitze fast vergessen ließ. Diese Band versteht es einfach, eine Meute in Bewegung zu setzen.
The Halo Effect habe ich in diesem Jahr schon einmal live erlebt. Deshalb war es für mich eher ein Wiedersehen als eine Überraschung. Trotzdem tat es gut, diesen typisch schwedischen Melodic-Sound über das Gelände donnern zu hören. Der eigentliche Höhepunkt für mich war aber Crystal Lake. Ihre Mischung aus technischer Härte und emotionalem Druck war live schlicht überwältigend. Da blieb kein Fuß still, und ich merkte, wie mich die Energie direkt mitriss.
Am Abend zog ich mich dann ins Camp zurück. Mit einem kühlen Bier in der Hand lauschte ich aus der Ferne In Extremo, Dimmu Borgir und ASP. Kein Stress, kein Gedränge – einfach sitzen, runterkommen und die Klänge im Hintergrund genießen.

Donnerstag: Zwischen Gluthitze und großen Namen
Der Donnerstag verlangte uns einiges ab: die Sonne brannte gnadenlos, und wir verbrachten viel Zeit im Schatten. Trotzdem gab es Bands, die Pflichtprogramm waren.
Allen voran Stesy am frühen Nachmittag. Ihre Songs sind zwar eher Party-Mucke, aber genau das hat in dem Moment gepasst. Kurz raus aus der Trägheit, mitsingen, ein bisschen tanzen und sich vom Spaß anstecken lassen – genau das, was man in dieser Hitze gebraucht hat.
Nach einer Pause im Schatten zog es mich später für ein paar Songs zu Landmavks. Die Jungs liefern einfach konsequent ab, was Stimmung angeht. Egal, wie erschöpft man gerade ist, sobald sie loslegen, erwischt es dich, und man steht plötzlich doch wieder vorne und feiert mit.
Zwischendurch gönnte ich mir Pausen im Camp und hörte dabei Mr. Hurley & die Pulveraffen sowie Ensiferum aus der Ferne. Im Schatten zu sitzen und die Musik wie einen Soundtrack im Hintergrund laufen zu lassen, hatte seinen ganz eigenen Charme.
Etwas enttäuscht war ich aber, dass ich es nicht geschafft hatte Pale Skin zu sehen. Sie spielten im Campsite Circus, und eigentlich war es fest eingeplant – aber die Hitze hatte mich so im Griff, dass ich es einfach nicht aufraffen konnte.
Am Abend standen dann die großen Namen an. Within Temptation mit ihrer epischen Show, Agnostic Front, die seit Jahrzehnten pure Hardcore-Energie versprühen, und natürlich Gojira, deren gewaltige Wucht live einfach jedes Mal ein Erlebnis ist. Nach diesen Auftritten war ich allerdings komplett durch. Die Latenight-Shows ließ ich sausen – es war schlicht genug für einen Tag, der zwischen extremer Hitze und intensiver Musik alles abverlangt hatte.

Freitag: Ein entspannter Festival-Tag
Der Freitag startete für mich ungewöhnlich ruhig. Ich ließ mir Zeit und tauchte erst am Nachmittag so richtig ins Programm ein. Der erste Act war Royal Republic und die liefern einfach immer. Diese Mischung aus Rock’n’Roll, augenzwinkerndem Humor und absoluter Spielfreude macht jede ihrer Shows zu einem Highlight.
Danach wechselte die Stimmung deutlich mit Evergrey. Die Schweden schufen mit ihrem progressiven, melancholischen Sound eine ganz andere Atmosphäre. Ein perfekter Kontrast, der einen kurz innehalten ließ.
Mit Fit For A King wurde es dann wieder druckvoller. Ihre Kombination aus Wucht und Melodie hat mich direkt gepackt. Hier sind Profis am Werk die wissen, dass Ihre Songs live nicht nur nach vorne, sondern auch unter die Haut gehen.
Natürlich durften auch Adept und die Donots nicht fehlen. Bei den Donots war es wie immer: ein Publikum, das sofort mitzieht, und ein Sänger, der keine Sekunde stillsteht. Als er plötzlich im Circlepit auftauchte und mitten aus der Menge heraus sang, war die Stimmung endgültig auf dem Siedepunkt.
Später machte ich noch einen kurzen Abstecher zum Campsite Circus, wo Obscurity spielten – ein rauer, erdiger Sound, der perfekt in die intime Atmosphäre dort passte.
Den Abend ließ ich dann bewusst ruhiger ausklingen. Statt mich noch einmal ins Getümmel zu werfen, besuchte ich ein paar Freunde auf dem Camping Ground. Während wir uns unterhielten, spielte irgendwo im Hintergrund Blind Guardian, wie ein Soundtrack, der den entspannten Abend abrundete. Kein großes Spektakel, sondern genau das richtige Maß an Festival-Feeling, bevor der letzte Tag noch einmal alles fordern würde.

Samstag: Der große Abschluss
Der letzte Tag begann für mich direkt mit einem echten Highlight: Heavysaurus. Eine Band, die Metal für Kinder greifbar macht und das auf eine Weise, die ebenso gut Erwachsene begeistert. Die Show war mitreißend, witzig und musikalisch auf den Punkt. Es war unmöglich, dabei nicht zu lächeln. Ein Auftakt, der sofort für gute Laune sorgte.
Kurz darauf folgten Annisokay und Fiddler’s Green auf der Hauptbühne. Annisokay überzeugten mit einer druckvollen, modernen Metalcore-Show, während Fiddler’s Green mit ihrem Irish-Speedfolk das Publikum in Bewegung brachten. Spätestens da war klar: Die Müdigkeit der letzten Tage hatte keine Chance.
Danach gab es für mich eine bunte Mischung: ein Stück Wind Rose mit ihrem „Zwergenmetal“, bei dem man einfach schmunzeln muss, dann Tarja & Marko, die eine überraschend stimmungsvolle Performance hinlegten. Danach schaute ich für ein paar Lieder bei Beast in Black vorbei, die mit ihrem melodischen Power Metal wie immer für epische Momente sorgten, und ging dann weiter zu April Art, die mit viel Energie und Leidenschaft einen bleibenden Eindruck hinterließen.
Ein ganz besonderes Erlebnis war Breakdown of Sanity. Ich hatte sie seit Jahren nicht mehr live gesehen und umso größer war die Freude, diese Band endlich wieder auf der Bühne zu erleben. Ihre Energie, die Dichte ihres Sounds, das Mitreißende ihrer Songs: für mich eines der absoluten Festival-Highlights.
Und auch danach ging es Schlag auf Schlag weiter: Machine Head mit ihrer kompromisslosen Power, Kissin’ Dynamite mit einer Show, die pure Rock’n’Roll-Party war, und Die Apokalyptischen Reiter, die mit ihrer Mischung aus Feuershow und Spielfreude noch einmal das gesamte Publikum einfingen.
Zum Abschluss sorgte Cybercore in der Nacht dafür, dass der letzte Rest Energie verbrannt wurde. Ein Finale, das noch einmal verdeutlichte, warum dieses Festival jedes Jahr so besonders ist.

Ich bleibe bei meiner Meinung:
Nach diesen intensiven Tagen voller Musik, Begegnungen und kleiner Abenteuer bleibt mir vor allem eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Freundschaften, die inzwischen fester Bestandteil dieses Festivals sind, für die vielen Begegnungen mit alten Bekannten und für die unzähligen kleinen Momente, die sich tief einprägen. Ob spontane Ausflüge in den Supermarkt für ein Schnitzelessen im Camp oder die Sidequests, wenn man quer über das Gelände läuft und plötzlich in altbekannte Gesichter blickt – all das macht Summer Breeze für mich einzigartig.
Es ist längst mehr als ein Festival. Es ist eine Tradition, ein Ritual, ein Fixpunkt im Jahr. Und genau deshalb freue ich mich schon jetzt darauf, 2026 wieder hierzustehen : mit den gleichen Menschen, neuen Geschichten und diesem unersetzlichen Gefühl, Teil von etwas ganz Besonderem zu sein.


