Zwischen Album-Release, Tourvorbereitungen und Social-Media-Dauerbeschallung bleibt bei Stesy kaum Zeit zum Durchatmen. Gut, dass zumindest keine Shows mehr anstehen – bis zur Tour. Denn was aktuell auf dem Plan steht, ist Bildschirmarbeit statt Bühnenrausch. Aber selbst das nimmt Chris, Frontmann von Stesy, mit der bandtypischen Mischung aus Selbstironie und Gelassenheit.
moshed.net:
Chris, euer Album ist gerade draußen, die Tour steht vor der Tür – und trotzdem wirkt ihr erstaunlich entspannt. Wie sehen die Tage kurz vor dem Jahreswechsel bei euch gerade aus?
Chris (STESY):
Zum Glück haben wir jetzt keine Konzerte mehr bis zur Tour. Dafür halt sehr viel Social Media. Bedeutet: am PC sitzen und irgendeinen Scheiß zusammenschneiden. Aber das geht zwischen dem dritten und vierten Glühwein eigentlich ganz gut.
„Musiker sein reicht nicht mehr – jetzt musst du auch Influencer sein“
moshed.net:
Album-Release, Weihnachten, Tourvorbereitung – das klingt erstmal nach Stress. Social Media ist da ja auch nicht gerade ein kleiner Faktor.
Chris (STESY):
Überhaupt nicht mehr wegzudenken. Wenn du die Aufmerksamkeit nicht innerhalb von einer halben Millisekunde hast, ist es eigentlich schon zu spät. Das ist eine eigene Wissenschaft. Musiker sein allein reicht heute nicht mehr – du musst halt auch Influencer sein, ob du willst oder nicht.
moshed.net:
Das frustriert viele Bands. Ihr wirkt aber so, als würdet ihr euch davon nicht komplett auffressen lassen.
Chris (STESY):
Ein Geheimrezept haben wir nicht. Und ehrlich gesagt sind wir auch zu alt, um jedem Trend hinterherzulaufen. Tanzvideos? Auf keinen Fall. Wir tanzen höchstens so, wie jeder andere besoffen auf der Tanzfläche.
Partycore-Lifehacks statt TikTok-Trends
moshed.net:
Euer Genre wird oft als Partycore beschrieben. Viele würden da erwarten, dass ihr auch jeden Social-Media-Trend mitnehmt.
Chris (STESY):
Machen wir eher selten. Was wir machen, sind halt so Sachen wie unsere „Partycore-Lifehacks“. Komplett bescheuert, aber das passt zu uns. Manche Videos funktionieren, manche nicht. Ein Cover zieht meist besser als ein eigener Song – logisch. Aber ich bin ehrlich: Ich bin zu faul, das alles zu analysieren.
Vom ernsten Metalcore zum eigenen Ding
moshed.net:
Partycore klingt nach Spaß – war das von Anfang an euer Plan?
Chris (STESY):
Eigentlich wollten wir Trancecore machen. Wir kamen aber aus diesem klassischen, depressiven Metalcore – schwere Texte, Hau-drauf-Riffs, alles sehr ernst. Und irgendwann haben wir gemerkt: Das macht einfach keinen Spaß.
moshed.net:
Also lieber feiern als leiden?
Chris (STESY):
Genau. Wir wollten eher so in Richtung Eskimo Callboy von früher. Elektronische Elemente, mehr Farbe, mehr Unsinn. Trance konnten wir aber nicht schreiben – keiner von uns wusste, wie das geht. Also haben wir einfach unser eigenes Ding gemacht. Dumm, deppert, viel über Saufen. Das passt besser zu uns.
Line-up-Wechsel ohne Drama
moshed.net:
Parallel zum Stilwechsel gab es auch Veränderungen im Line-up. Wie lief das intern?
Chris (STESY):
Sehr entspannt. Der Bassist ist ausgestiegen wegen Kind und Hausbau – komplett verständlich. Unser Gitarrist später auch, weil er Lehrer ist und einfach keine Zeit mehr hatte. Kein Stress, kein Streit.
moshed.net:
Und jetzt?
Chris (STESY):
Jetzt ist Mo unser Bassist. Der war vorher schon öfter als Ersatz dabei. Irgendwann haben wir gesagt: Du bist eh ständig mit uns unterwegs, willst du’s nicht fix machen? Und das hat einfach gepasst.
Große Festivals, schwierige Heimat
moshed.net:
Dieses Jahr wart ihr auf einigen richtig großen Festivals unterwegs.
Chris (STESY):
Ja, das war heftig. Summer Breeze, Nova Rock, Resurrection Fest in Spanien. Uns war definitiv nicht langweilig.
moshed.net:
Auffällig ist, dass ihr viel in Deutschland spielt, obwohl ihr aus Österreich kommt.
Chris (STESY):
Die Szene in Österreich ist schwieriger. In Deutschland fahren Leute zwei Stunden auf ein Konzert. In Österreich eher nicht. Da hat Falco schon recht gehabt: Um in Österreich bekannt zu werden, musst du zuerst in Deutschland bekannt sein.
„No Cleans“ – aus Überzeugung
moshed.net:
Auf euren Kanälen steht: No Cleans – Kickass Metal – Party Sins. Ist das eine klare Ansage?
Chris(STESY):
Absolut. Erstens: Ich kann keine Cleans. Zweitens: Entweder Clean Vocals sind richtig geil – oder komplett für’n Arsch. Und im Partycore haben sowieso alle Cleans. Also haben wir gesagt: Wir bleiben brachial. Ich meine, im Club, wenn alles am eskalieren ist, schreit man sich ja auch gegenseitig an zum unterhalten.
moshed.net:
Ausnahmen gibt es aber, etwa bei Echoes zusammen mit VENUES.
Chris (STESY):
Genau dafür sind Features da. Wenn man es dosiert einsetzt, bringt es frischen Wind. Wenn jeder Refrain clean ist, wird’s langweilig.
Album draußen – Setlist-Chaos inklusive
moshed.net:
Das neue Album ist draußen. Was bedeutet das für euch?
Chris (STESY):
Vor allem, dass jetzt endlich alle Songs draußen sind und ich sie live spielen kann. Das Problem: Die Setlist. Zu viele Banger, zu wenig Zeit. Alte Songs willst du spielen, neue auch – das ist gerade die größte Herausforderung.
moshed.net:
Viele eurer Songs entstehen aus eher absurden Ideen.
Chris:
Ja, absolut. Pu$$yterror zum Beispiel kam von Katzenreels. Live ist das immer schwierig. Die ersten Reihen feiern, die dahinter schauen komplett verwirrt. Am Ende haben aber meistens alle Spaß.
The Voice of Germany: ungeplant, aber effektiv
moshed.net:
Du warst bei The Voice of Germany. War das ein strategischer Schritt?
Chris (STESY):
Überhaupt nicht. Mein Ziel war einfach: Ich will ins Fernsehen. Mehr nicht. Dass ich bis kurz vorm Halbfinale komme, war nicht geplant. Aber es hat uns extrem viel gebracht – Leute sind danach auf Shows gekommen und geblieben.
Bier & Burger Tour 2026
moshed.net:
Im Februar geht ihr auf Bier & Burger Tour mit der King Nugget Gang.
Chris (STESY):
Unsere erste Co-Headline-Tour – wir sind schon ein bisschen nervös. Aber wir freuen uns extrem. Neue Städte, neue Länder, Berlin zum ersten Mal, Schweiz zum ersten Mal.
moshed.net:
Was erhofft ihr euch von der Tour?
Chris (STESY):
Einfach dem Alltag entfliehen. Musik machen, unterwegs sein, mit den Leuten feiern. Das ist das, wofür wir das alles machen.
moshed.net:
Abseits der Tour – worauf freut ihr euch 2026 am meisten?
Chris (STESY):
Festivals, neue Singles, neue Songs. Wir hören sicher nicht auf, Musik zu machen. Das Album ist draußen, aber die Kreativität hört ja nicht auf.
Wir danken Chris für seine Zeit und freuen uns schon sehr auf die kommende Tour zusammen mit der King Nugget Gang. Anbei die Tourdates:
06.02.2026 – Berlin, Insel
07.02.2026 – Cham, L.A.
13.02.2026 – Lindau, Club Vaudeville
14.02.2026 – Weinheim, Café Zentral
19.02.2026 – Düsseldorf, Pitcher
20.02.2026 – Leipzig, Hellraiser
21.02.2026 – Zwickau, Alter Gasometer
26.02.2026 – München, Backstage
27.02.2026 – Erlangen, E-Werk
28.02.2026 – Oberentfelden (CH), Böröm
Tickets gibt es hier.


