Es gibt heutzutage gefühlt nur einen Weg, wie man als Post-Hardcore Band der frühen 2000er relevant bleibt: Die frühen Hits zelebrieren heute noch auf Festivals oder in Clubs und lassen dabei leider kaum Platz für neues Material bzw. wird es in der schnelllebigen Zeit selten angenommen. Es gibt zumindest einen ganzen Haufen an Bands, bei denen wir das so unterschreiben könnten – Sleeping With Sirens hätten vor ein paar Jahren auch dazu gehört aus unserer Sicht, doch die mittlerweile achte Platte der US-Rocker beschert uns einen ganz anderen (zweiten) Frühling.
Wer dachte, Kellin Quinn und Co. hätten ihr Pulver bereits verschossen, wird von An Ending In Itself gnadenlos eines Besseren belehrt. Das Album, produziert von Hit-Garant Will Yip (Turnstile, Movements, Circa Survive), klingt rotziger, emotionaler und hungriger als fast alles, was die Band in der letzten Dekade angefasst hat. Man könnte hier schon von einer Rückrückkehr zu den Wurzeln sprechen, aber fangen wir mal von vorne an.
Der perfekte Spagat zwischen Nostalgie und Härte
Direkt der Opener und Titeltrack „An Ending In Itself“ stellt klar, wohin die Reise geht. Hier wird nicht lang gefackelt: Agile Riffs treffen auf eine allumfassende Wucht. Kellin Quinns unverkennbare Stimme sitzt messerscharf im Mix, und das Ding bricht im Finale in eine angenehm abrasive Düsterheit aus, die man so seit With Ears to See and Eyes to Hear vermisst hat. Also wirklich der ganz alte Stoff! Klingt gemein – ist aber wirklich als Kompliment zu sehen.
Gleich darauf folgt mit „Forever/Always“ ein absoluter Hymnen-Garant. Der Track kommt im eleganten und irgendwie tanzbaren Rhythmus daher und glänzt mit einer pulsierenden Bassline. Ein Song wie ein fettes „Danke“ an die Fans und die Menschen, die einen am Boden halten. Besagte Festivals kommen beim Booking der Band nicht um diesen Song! Der Refrain frisst sich sofort im Gehörgang fest – emotionaler Post-Hardcore-Pop in Perfektion, der live zweifellos für kollektive Gänsehaut sorgen wird.
Wenn der Kontrast zündet
Dass die Truppe wieder richtig Bock auf Härte hat, spürt man besonders bei „Paralyzed“. Der Track eröffnet im absoluten Chaos: tiefgestimmte, schmutzige Riffs, treibendes Schlagzeugspiel und Kellin, der sich die Seele aus dem Leib schreit. Doch genau hier zeigt sich das Songwriting-Geschick: Wenn im Refrain die Wolken aufreißen und eine riesige, hoffnungsvolle Hookline das Regiment übernimmt, ist das purer Kontrast-Zucker. Und das liebt unser Ohr!
Ein weiteres echtes Highlight der Platte ist „God In My Head“. Hier setzt sich Quinn gewohnt verletzlich, aber textlich so reflektiert mit seinen inneren Dämonen und dem Glauben auseinander, bevor sich die Nummer in ein absolut atemberaubendes, turbulentes Finale hineinsteigert. Und wer auf Überraschungen steht, bekommt bei „Left On Repeat“ unter fetten Riffs sogar fast schon gerappte Vocal-Parts serviert, die auf dem Papier komplett weird klingen, im Kontext des Songs aber verdammt gut funktionieren irgendwie.
Sicher, mit „Process“ ist auch ein sehr geradliniger, fast schon radiotauglicher Rock-Song vertreten, der im Vergleich zu den Ausreißern etwas zahmer wirkt. Aber im Gesamtfluss des 12-Track-Starken Albums fällt das kaum ins Gewicht. Am Ende entlässt uns „Storm Clouds“ – eine Nummer wie ein offenes Tagebuch – mit einer Mischung aus Melancholie und Optimismus.
Fazit
Sleeping With Sirens schaffen mit An Ending In Itself das seltene Kunststück, sowohl vertraut als auch komplett revitalisiert zu klingen. Es ist ein Full-Circle-Moment. Die Band kopiert nicht einfach stumpf die alten Glanztaten von Let’s Cheers to This, sondern kanalisiert die rotzige Aggression von damals durch die Linse gereifter Musiker. Will Yips raue, organische Produktion tut ihr Übriges, um den Songs genau den Dreck und die Luft zum Atmen zu geben, die auf den letzten Platten manchmal gefehlt haben. Ein absoluter Pflicht-Hör für alte Fans und der perfekte Beweis, warum diese Band auch 2026 noch verdammt noch mal relevant ist. Also ab auf Myspace und co. und connected euch mit euren Oldschool-Hardcore Freunden! Sleeping With Sirens sind musikalisch zu ihren neu erfundenen Wurzeln zurückgekehrt! ( ja das lassen wir so stehen )
Wer sich von der Qualität der Band übrigens wieder Live überzeugen lassen will, hat 2027 die Chance dazu! Anbei die Tourdates:
22.02.2027 – München, Tonhalle
23.02.2027 – Dresden, Alter Schlachthof
25.02.2027 – Berlin, Huxleys Neue Welt
27.02.2027 – Köln, Carlswerk Victoria


