Review: IMPVLSE – RITUALS (EP)

Was auch immer IMPVLSE da machen, um auf garkeinen Fall jemals ein komplettes Album rauszubringen, sie machen es anscheinend richtig. Denn mit der neusten Veröffentlichung unter dem Namen RITUALS wird uns erneut eine EP von den Nürnbergern geliefert, welche qualitativ locker mit gewünschten Longplayern mithalten kann. Auf sieben Songs präsentiert sich eine der ambitioniertesten Bands der letzten Jahre gewohnt brachial und erfinderisch.

Den Einstieg markiert silenced, ein grandioser Opener, der mit massiver Wucht die Richtung vorgibt. IMPVLSE gelingt hier ein beeindruckender Spagat zwischen atmosphärischer Melodik und gnadenloser Härte, der sofort klarmacht, dass die Band technisch auf ihrem bisherigen Zenit agiert.

Dass es klanglich sogar noch eine Stufe brachialer geht, beweist das anschließende damnation. Man muss sich ernsthaft fragen: Können Gitarren eigentlich noch deftiger klingen? Der Sound ist derart massiv, dass sich selbst Genre-Größen wie Fit For A King hier eine ordentliche Scheibe abschneiden könnten.

Nach diesem Gewitter nimmt bloom das Tempo etwas heraus, ohne jedoch an emotionaler Tiefe einzubüßen. Der Track kommt deutlich cleaner daher und überzeugt vor allem durch einen Refrain, der sich sofort im Ohr festsetzt. Im Kontrast dazu wirkt crown fast schon wie ein Echo des Openers. Zwar handwerklich solide, wirkt die Nummer nach den vorangegangenen Songs allerdings ein wenig wie ein „aufgewärmter“ Mix aus den bereits etablierten Elementen.

Richtig spannend wird es wieder bei saint. Dank des Features mit Lost in Hollywood zeigt sich die Band hier von ihrer experimentellen Seite. Es ist vermutlich der zugänglichste Song der EP, der zeigt, dass IMPVLSE auch über den Tellerrand des klassischen Metalcore hinausblicken können. Wer es hingegen lieber kurz und schmerzlos mag, bekommt mit sacrilege die volle Breitseite geliefert: Ein knackiger Hau-drauf-Song, der live zweifellos für ordentlich Bewegung im Pit sorgen wird.

Abgerundet wird das Release durch rituals. Als progressiver und höchst atmosphärischer Abschluss bündelt dieser Track noch einmal alle Stärken der EP und lässt den Hörer mit einem stimmigen Gesamtbild zurück.

Auch 2025 bleiben IMPVLSE weiterhin relevant und bauen ihr Fanbase, als auch Diskografie mit einigen Goldstücken aus. RITUALS schafft es in seinem Gesamtwerk durchaus als die stärkste EP aus dem Hause IMPVLSE zu stehen und wird uns noch eine Weile begleiten.
Der größte oder einzige Kritikpunkt für uns an dieser Stelle ist eigentlich eher der innere Wunsch, gerade RITUALS als EP zu sehen, weil das Potential mehr als gegeben ist. 2-3 Songs später und hier und da ein Interlude zwischen den Songs hätte progressiv Sinn gemacht und schon wäre hier ein Longplayer serviert worden, der es locker in die jährliche Top 10 schaffen würde – nur mal laut gedacht. Dennoch spricht der Erfolg der Band natürlich für sich.

Wer die Jungs übrigens jetzt unbedingt wieder oder zum ersten Mal live erleben will, kann schon in Kürze auf seine Kosten kommen. Ende Januar geht’s auf große Tour im Programm von Elwood Stray und Our Mirage. Tourdates:
28.01.26 – Nürnberg, Z-Bau
29.01.26 – A-Wien, Viper Room
30.01.26 – München, Backstage Club
31.01.26 – Frankfurt, Batschkapp
05.02.26 – Hannover, Kulturzentrum Faust
06.02.26 – Hamburg, Molotow
07.02.26 – Göttingen, Musa
11.02.26 – Leipzig, Conne Island
12.02.26 – Berlin, Hole 44
13.02.26 – Münster, Sputnikhalle
14.02.26 – Bremen, Tower
20.02.26 – Stuttgart, Im Wizemann (Club)
21.02.26 – Köln, Essigfabrik
14.03.26 – Essen, Zeche Carl

IMPVLSE – Rituals

Score

82%
Ein quasi BestOf als EP. IMPVLSE liefern hier auf sieben Songs alles ab, wofür man diese Band feiern darf. Wir wollen eine LP!