Live-Review: Shatterpulse /w Indignation, Mirrors, Blindside & Devadatta | 13.12.2025 | Studio Music Hall | Tokyo,Japan

Wie Konzerte in Deutschland ablaufen, wissen die meisten, egal ob große Arena-Shows mit Parkway Drive oder die kleinen, lokalen Shows, die die Szene am Leben halten. Auch in den Nachbarländern läuft vieles ähnlich wie bei uns ab. Aber wie sieht es auf einem ganz anderen Kontinent aus? Gibt es dort Unterschiede in der Konzertkultur oder läuft auch dort alles gewohnt ab? Die Antwort auf die Frage kann man mit einem klassischen Jein beantworten. Vieles ungewohnt, aber irgendwie doch bekannt. 

Wir waren für euch bei der EP Release Show der japanischen Band Shatterpulse in der Studio Music Hall in Akihabara, Tokyo. Lokal, selbst organisiert und noch richtig schönes DIY-Feeling. Woran merkt man das? Der Tontechniker ist gleichzeitig Gitarrist beim Headliner, eben jene Headliner kümmern sich um die Organisation der anderen Bands und die Venue ist in diesem Fall ein etwas zweckentfremdeter Proberaum. Lokaler gehts nun echt nicht mehr.

Den Auftakt machen Indignation

Zum Auftakt um punkt 18 Uhr gab es direkt ein ordentliches Aufwärmprogramm mit der Hardcore-Band Indignation. Nach dem zweiten Song riss dem Gitarristen eine Saite der Gitarre, kurze Verschnaufpause und flott ging es weiter. Die ersten Two-Stepper machten sich direkt vor der Band breit und auch Vocalist Hayata ging nicht gerade zimperlich mit dem Publikum um. Wie Hardcore das Ganze war, wurde beim letzten Song ersichtlich: Mit einem gezielten schwingen des Kabels ging die Stirn vom Sänger auf direkte Tuchfühlung mit dem Mikrofon. Das Ergebnis war eine mehr als ordentliche Delle im Mikrofon und eine markante Markierung auf eben jener Stirn. Wir würden das als Unentschieden werten und hoffen, dass es kein Leih-Mikrofon war.

Deathcore mit Mirrors

Weiter im Programm ging es dann mit Mirrors, feinster Deathcore direkt aus Tokyo. Wer sich bei den Bildern wundert “Moment mal, der Drummer ist ja der Gleiche wie bei der ersten Band?”, den kann ich hier kurz aufklären: Viele Musiker sind in der japanischen Szene in mehreren Bands, und so kann es besonders bei selbstorganisierten Shows dazu kommen, dass beide Bands im Lineup stehen und der ein oder andere auch mal eine Doppelschicht einlegen muss. Bei eben jenen Drummer hat man auch das Gefühl, dass sein Schlagzeug vorher irgendwas Schlechtes über ihn gesagt hat, denn ich habe selten jemanden so erbarmungslos auf sein Schlagzeug eindreschen sehen wie dort. Die Energie hat die restliche Band auch direkt mitgetragen und so starteten auch die ersten Moshs und Crowdkiller in der kleinen Venue. Wer auf Ins-Gesicht-Core steht, der wird hier aber direkt fündig.

Blindside – Underground Hardcore pur

Nach einer kurzen Umbaupause von ca. 10 Minuten ging es dann auch weiter mit Blindside. Die fünfköpfige Truppe passte mit ihrem Sound perfekt ins Lineup. Hardcore so wie man ihn sich wünscht in einer Venue die gerade danach schreit, dass die Member mit dem Publikum interagieren. Und genau das taten Blindside auch immer wieder. Von hin und her springen bis zu Crowdvocals durch ein hinhaltendes Mikrofon (Es war übrigens nicht das demolierte von der ersten Band) vom Sänger: Wer Hardcore wollte hat genau das bekommen.

Devadatta leuten langsam das Ende des Abends ein

Zwei Bands sollte es dann noch geben. Neben den Headlinern von Shatterpulse gaben sich noch Devadatta die Ehre. Ende November wurde das erste Album der Bandgeschichte veröffentlicht, “Samsara” findet ihr auf jeglichen relevanten Streaming-Diensten. Der Mix aus ruhigen, japanischem Sprechgesang, gefolgt von tiefen Growls und teils sehr hohen Screams sorgt für ordentlich Abwechslung innerhalb des Sets. Wer also Fan davon ist, innerhalb einzelner Songs mehrere Tempowechsel zu haben, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Mal von den Breakdowns und unfassbaren Growls abgesehen.

Zeit für den Headliner

Um 21 Uhr war es dann auch Zeit für den “Star des Abends”. Shatterpulse veröffentlichten erst vor kurzem ihre EP “Silhouettes” und diese wurde auch an diesem Abend gefeiert. Eins meiner persönlichen Highlights des Sets war es zu sehen, dass die Mitglieder der vorherigen Bands alle noch anwesend waren und auch selbst mehr als aktiv im Pit mitgewirkt haben. Man merkt schnell, dass die lokale Szene eine große Familie ist und jeder sich gegenseitig unterstützt, und sich auch durchaus mal eins auf die Mütze gibt, wenn im Pit die Arme wild hin und her fliegen. 

Um halb 10 war die Show dann auch schon zu Ende. Während die Venue aufgeräumt wurde, nutzten die Leute die Zeit, um sich untereinander zu unterhalten, Merch zu kaufen und einfach als Freunde abzuhängen. Während in deutschen Clubs die Security meist dafür sorgt, dass die Leute kurz nach Ende der Show die Venue zumindest verlassen, ist hier auffällig, dass es halt auch einfach gar keine Security gab. Wer in Japan auf Konzerte geht, sollte keine Angst vor der Sprachbarriere haben. Sollte kein englisch gesprochen werden, so hilft der Google-Übersetzer immer ausreichend aus und notfalls wird einfach auf den getragenen Merch gezeigt und den Daumen nach oben gegeben, das versteht jeder!

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