Wenn ich mir einen perfekten Sommerabend malen müsste, dann würde er wahrscheinlich ziemlich genau so aussehen: angenehme Sommertemperaturen, eine riesige Wiese voller gut gelaunter schöner Menschen, eine beeindruckende Bühne, tonnenweise Konfetti und Kraftklub in absoluter Bestform. Genau das gab es am 04. Juli 2026 im Ravensberger Park in Bielefeld zu erleben. Und ganz ehrlich: Wer Kraftklub schon einmal live gesehen hat, weiß eigentlich schon vorher, dass es kein schlechter Konzertabend werden kann.
Nach den grandiosen Hallenshows im Frühjahr beweisen die Chemnitzer auch unter freiem Himmel wieder eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zu den besten Live-Bands Deutschlands gehören. Bielefeld war laut, bunt und voller Energie – genau so, wie man sich ein Kraftklub-Open-Air eben wünscht.
Lovehead sorgt für den perfekten Auftakt
Bevor Kraftklub die Bühne übernahmen, durfte das österreichische Trio Lovehead den Abend eröffnen. Wer die drei Musikerinnen bereits kennt, weiß, dass ihre Mischung aus Indie, Pop und jeder Menge Charme perfekt funktioniert (besonders auf diesem Open Air!).
Mit Songs wie „erdnussallergie“ oder „sommerwind“ war die Stimmung schon vor dem Hauptact überraschend gut. Während wir uns etwas im Publikum umhörten, fielen Begriffe wie „fetzig“, „mausig“ oder einfach „iconic“. Viel besser kann man die Performance eigentlich kaum zusammenfassen. Lovehead schafften genau das, was ein guter Support-Act schaffen soll: Sie holten die Crowd ab, machten Lust auf mehr und sorgten dafür, dass die Vorfreude auf Kraftklub mit jedem Song weiter stieg.
Die neue Platte funktioniert live einfach überragend
Natürlich durfte das aktuelle Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ an diesem Abend nicht fehlen und spätestens jetzt dürfte wirklich jedem klar sein, dass diese Songs für die Bühne geschrieben wurden.
Allen voran „Kippenautomat“. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dieses „döp, döp, döp, döp“ lebt seit der ersten Show im Frühling mietfrei in meinem Kopf. Und scheinbar ging es den rund 8.000 Besucher:innen in Bielefeld genauso. Schon nach wenigen Sekunden stimmte die komplette Crowd den Refrain an und plötzlich wurde der gesamte Ravensberger Park zu einem riesigen Chor. Es wurde wirklich ordentlich gedöpt.
Aber nicht nur „Kippenautomat“ funktioniert hervorragend. Auch Songs wie „Unsterblich sein“, „Zeit aus dem Fenster“ oder „Schief in jedem Chor“ entfalteten live nochmal eine ganz andere Energie. Gerade bei „Schief in jedem Chor“ wurde wieder deutlich, wie schnell die neuen Songs ihren festen Platz bei den Fans gefunden haben.
Natürlich kamen aber auch die älteren Alben nicht zu kurz. Bei Klassikern wie „Ich will nicht nach Berlin“ oder „Fahr mit mir (4×4)“ öffneten sich direkt Moshpits, die Felix bereits zu Beginn des Konzerts mit einem breiten Grinsen lobte. Genau so soll es doch sein, oder?
Typisch Kraftklub: Mehr als nur ein Konzert
Und Kraftklub wären eben nicht Kraftklub, wenn sie einfach nur ihre Songs herunterspielen und danach wieder verschwinden würden. Stattdessen gab es wieder jede Menge Momente, die den Abend besonders gemacht haben.
Mitten im Infield veranstaltete Felix kurzerhand ein kleines Picknick mit einigen Fans. Später wechselte die Band auf eine B-Stage, die mitten in der Crowd aufgebaut war und sorgte dort für weitere Gänsehautmomente. Zum Abschluss wurde „500k“ dann noch auf einem random Container gespielt, während einige Stagediver durch die Menge getragen wurden.
Genau solche Aktionen machen Kraftklub-Konzerte jedes Mal aufs Neue besonders. Trotz ihrer Größe schaffen sie es immer wieder, nahbar zu bleiben und ihre Fans aktiv in die Show einzubinden. Ein weiteres Highlight war außerdem das gemeinsame Cover von „I Love It“ von Icona Pop zusammen mit Lovehead. Ganz ehrlich: Dieser Song macht einfach gute Laune. Und Kraftklub! Kraftklub sorgt den gesamten Abend über für gute Laune.
Klare Haltung gehört einfach dazu
Neben all der Euphorie bleibt aber auch Platz für ernste Themen. Kurz vor „Schüsse in die Luft“ machte die Band erneut deutlich, dass auf ihren Konzerten kein Platz für Nazis, Faschismus, Rassismus oder andere Formen von Diskriminierung ist. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Leider ist es das noch immer nicht. Deshalb finden wir es wichtig, wenn Bands ihre Reichweite nutzen und klare Haltung zeigen. Kraftklub machen das seit Jahren und genau dafür gibt es völlig zurecht jedes Mal großen Applaus aus dem Publikum.
Fazit: Kraftklub bleiben eine absolute Live-Macht
Am Ende bleibt eigentlich nur ein Fazit: Kraftklub gehören zu den besten Live-Bands, die Deutschland aktuell zu bieten hat. Die Mischung aus Abriss, Humor, Fan-Nähe, politischen Statements und einer Setlist, die sowohl neue Songs als auch alte Klassiker perfekt miteinander verbindet, funktioniert einfach jedes Mal.
Wer in diesem Sommer noch die Chance hat, eines der verbleibenden Open-Air-Konzerte oder einen Festivalauftritt mitzunehmen, sollte das unbedingt tun. Viele Termine sind bereits ausverkauft – und nach diesem Abend in Bielefeld überrascht uns das ehrlich gesagt überhaupt nicht. Wenn Kraftklub in eurer Nähe spielen, dann geht hin. Ihr werdet es ziemlich sicher nicht bereuen.
Kraftklub Setlist vom Ravensberger Park in Bielefeld (04.07.2026)
- Marlboro Mann
- Ein letztes Mal
- Teil dieser Band
- Ich will nicht nach Berlin
- Fahr mit mir (4×4)
- Unsterblich sein
- Halts Maul und spiel
- I Love It (Icona Pop cover)
- Wie ich
- Zeit aus dem Fenster
- Schief in jedem Chor
- Kippenautomat
- Chemie Chemie Ya
- Blaues Licht
- Fallen in Liebe
- Irgendeine Nummer
- Schüsse in die Luft
- Randale
- 500 K
- Wenn ich tot bin, fang ich wieder an
- Ein Song reicht
- Songs für Liam
Hier geht es zur Fotostrecke des Abends: Kraftklub Bilder Bielefeld 04.07.2026








