Vom Saarland aus die Welt erobern? Klingt erstmal nach größenwahnsinnigen Dorfträumen – bis man From Fall To Spring hört. Die Wilhelm-Zwillinge und ihre Crew sind schon längst keine TikTok-Eintagsfliegen mehr, sondern ein ernstzunehmender Player im modernen Metalcore. Nach Rise (2023) und einem ESC-Vorentscheid, bei dem man fast schon Mitleid mit den Konkurrenz-Acts haben musste, steht jetzt Entry Wounds im Raum. Und das Teil macht keine Gefangenen.
Core trifft Hookmaschine
Was sofort klar wird: Hier geht’s nicht um „nur Core“ oder „nur Pop“. Entry Wounds ist ein Hybrid, der beides will – und beides liefert. Fette Riffs und Screams knallen auf Trap-Beats, Autotune und Stadion-Refrains, die locker auf jeder Playlist zwischen Bring Me The Horizon und From Ashes To New durchgehen könnten. Wo andere Bands an diesem Spagat krachend scheitern, wirken From Fall To Spring, als hätten sie das Genre-Handbuch neu geschrieben.
Das Zwillingsduo feuert sich dabei gegenseitig an: Clean, Rap, Shouts, Hymnen – ein ständiges Ping-Pong, das die Songs lebendig hält und verhindert, dass man sich auch nur eine Sekunde ausruhen kann. Die Formel steht also, wobei diese mit etwas mehr Variation sicherlich auch funktioniert hätte. Einige Songs liefern dieses typische «schonmal gehört» Gefühl, wobei wir hier nicht die Wurzel bei anderen Künstlern suchen, sondern tatsächlich bei der Band selbst. Einige Songs sind sich einfach zu ähnlich.
Der Haken?
So stark das alles klingt, Entry Wounds traut sich manchmal nicht weit genug raus. Die Band weiß, wie sie Hits schreibt, und bleibt gerne auf sicherem Terrain. Das ist meilenweit entfernt von schlecht, aber ein bisschen mehr Chaos, ein paar unberechenbare Momente hätten dem Album die Krone aufgesetzt.
Dabei wollen wir das zum Schluss gar nicht so negativ dastehen lassen, denn Entry Wounds hat definitiv die Banger, die es braucht, um eine gewisse Relevanz zu halten. Alleine CONTROL liefert genug musikalischen Stoff, um in jeder Nu-Metal Playlist zu den Highlights zu zählen. PIECES liefert genau den richtigen Kontrast zum restlichen Album, um in jedem Kopf kleben zu bleiben und SIMULATION.EXE liefert nochmal das komplette Arsenal von From Fall To Spring, um mit einem mehr als würdigen Finale das Album zu schließen.
Fazit
Entry Wounds ist der Beweis, dass From Fall To Spring endgültig über den Status „Newcomer“ hinaus sind. Modern, energiegeladen, live-tauglich und mit genug Ohrwurm-Material, um die Konkurrenz alt aussehen zu lassen. Ja, die Jungs könnten noch mutiger sein – aber selbst so reicht es schon, um die Szene ordentlich aufzumischen. Wir sind uns sicher, dass es die nächsten Jahre eher Richtung «Bergauf» für diese Band gehen wird.


