Angel Du$t – Cold 2 The Touch

Genre-Grenzen sprengen? Für Angel Du$t ein alter Hut. Mit Cold 2 The Touch liefert die Truppe aus Baltimore ihr mittlerweile sechstes Studioalbum ab und beweist eindrucksvoll, dass „Rock & Roll“ manchmal die einzige Definition ist, die man braucht.

Zwischen Circle Pit und Melodie-Verliebtheit

Wer befürchtet hatte, dass die Band nach über einem Jahrzehnt den Biss verliert, wird direkt mit dem Opener Pain Is A Must eines Besseren belehrt. Ein klassischer Angel-Du$t-Einstieg, der als perfektes Warm-up für die Nackenmuskulatur fungiert. Spätestens wenn Scott Vogel (Terror) mitmischt, ist klar: Hier wird nicht nur experimentiert, hier wird auch ordentlich ausgeteilt.

Direkt im Anschluss zieht der Titeltrack Cold 2 The Touch das Tempo massiv an. Ein Zwei-Minuten-Brett, das förmlich nach einem Circle Pit schreit, nur um nahtlos in I’m The Outside überzugehen. Der Vibe bleibt derselbe – treibend, positiv und mit einer ordentlichen Portion Attitüde. Justice Tripp selbst beschreibt den Song als Ausdruck seiner Lebensphilosophie: Er ist nicht nur ein Außenseiter, er ist das Außen. ( deutsche Übersetzung lässt grüßen)

Ein Kollektiv der Extraklasse

Dass die Platte so organisch und gleichzeitig druckvoll klingt, liegt nicht zuletzt an der hochkarätigen Besetzung. Mit Veteranen wie Jim Caroll (The Suicide File, American Nightmare) an der Gitarre und Produzenten-Legende Brian McTernan hinter den Reglern, klingt Cold 2 The Touch kollaborativer denn je. In Zeiten, in denen der Baltimore Hardcore immer beliebter wird, war dieser Schritt mehr als richtig!

Besonders deutlich wird das bei Zero. Der wohl „rockigste“ Song der Platte bringt uns zurück in den Pit, ohne dass die Band jemals die Kontrolle über das Chaos verliert. Die Basslines, die sich durch das gesamte Album ziehen, sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben – besonders bei Nothing I Can’t Kill rücken sie prominent in den Fokus und verleihen dem Track ein massives Fundament.

Die Vielseitigkeit von Baltimore

Dass Angel Du$t mehr können als nur Vollgas, beweisen sie in der Mitte des Albums. Jesus Head erlaubt kurzes Durchatmen, ohne an Intensität zu verlieren. Das absolute Highlight in Sachen Songwriting ist jedoch DU$T. Der Song beginnt fast meditativ, schunkelt sich durch die erste Hälfte, nur um dann in einem absoluten Schlagzeug-Gewitter zu explodieren. Hier wird alles vereint, was die Band ausmacht: Mut zum Experiment, rhythmische Riffs und eine unvergleichliche Dynamik.

Sicherlich gibt es mit The Knife einen Moment, der eher wie ein Lückenfüller wirkt, doch das tut dem Gesamtfluss keinen Abbruch. Mit dem Closer The Beat wird der Sack schließlich zugemacht. Ein rasanter Tempowechsel und pure Rhythmik lassen nur einen Schluss zu: The beat goes on and on.

Fazit

Auch mit Album Nummer sechs wird es bei Angel Du$t nicht langweilig. Während die Hardcore-Szene aus Baltimore in den letzten Jahren weltweit für Furore sorgt, zementieren Angel Du$t ihren Status als deren kreativste Speerspitze neben Turnstile. Cold 2 The Touch ist keine anbiedernde Neuerfindung für die Massen, sondern die logische Weiterentwicklung aus 13 Jahren Bandgeschichte.

Wer auf der Suche nach authentischem Rock & Roll ist, der gleichermaßen ins Gesicht schlägt und das Herz berührt, kommt an dieser Platte nicht vorbei. Angel Du$t erleben gerade ihr persönliches Glow-up – und wir dürfen dabei zusehen, wie sie alles plattwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt.

Angel Du$t – Cold 2 The Touch

Score

88%
Angel Du$t erleben gerade ihr persönliches Glow-up – und wir dürfen dabei zusehen, wie sie alles plattwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt.
Fotocredit: