Moshed.net: Eure Show in Düsseldorf im März war schon ausverkauft und heute habt ihr auch wieder ein volles Haus. Wie geht es euch damit?

Jack: Wir freuen uns total! Und es hat uns echt überrascht, weil wir noch nicht so viele Shows in Deutschland gespielt haben.

Adam: Und vor allem auch, weil nur so eine kurze Zeitspanne jetzt zwischen den beiden Shows liegt, da ist es noch cooler direkt wieder eine ausverkaufte Show zu haben.

Jack: Und die Show in Düsseldorf morgen ist auch fast ausverkauft! Wir müssen vielleicht noch ein bisschen last-minute Promo dafür machen.

Adam: Vielleicht kommen ja auch einige Leute gleich zu beiden Shows, heute und morgen, wer weiß.

Moshed.net: Ich bin leider morgen schon bei einer anderen Show, sonst wäre ich auch gekommen. Eure Band existiert noch gar nicht so lange – wie versucht ihr neue Fans zu gewinnen?

Jack: Wir versuchen in regelmäßigen Abständen Musik zu veröffentlichen. Weil ich glaube wenn da häufig was kommt und die Songs gut sind, kommen einige Leute dazu.

Hector: Und durch eine großartige Live-Show. Da kommen die Leute beim nächsten Mal wieder und erzählen bestenfalls ihren Freunden davon.

Declan: Wir versuchen außerdem nach den Shows noch mit den Leute zu quatschen und sie kennenzulernen. Ich glaube das ist auch eine super Art von Promo und man lernt sehr interessante Leute kennen.

Jack: Ja, das ist definitiv ein wichtiger Punkt. Mit den Fans zu interagieren und sich so viel wie möglich auszutauschen. Wir schreiben auch viel mit Leuten über unsere Insta-DMs, da haben wir schon eine kleine Community aufgebaut.

Moshed.net: Ich hab auch in einem anderen Interview gelesen, dass du, Jack, kein großer Fan von Social-Media bist.

Jack: Ich denke einfach, dass es nicht gut für deine mentale Gesundheit ist, dauerhaft am Handy zu hängen. Unser Manager sagt uns auch immer, dass wir was posten sollen, aber wenn man dann am Ende der Woche mal seine Bildschirmzeit checkt und die bei 7 Stunden pro Tag ist, wird einem auch bewusst, warum man die ganze Zeit so anxious ist.

Moshed.net: Wie steht ihr zu anderen Künstler:innen, die konstant ihr Zeug online promoten?

Jack: Für einige Leute ist das super leicht online zu posten, ich werde sehr nervös dadurch, das macht es für mich schwieriger. Aber es ist auch seltsam, weil als Musiker musst du heutzutage nicht nur einfach gute Songs schreiben, sondern auch ein Content-Creator und eine Persönlichkeit zum präsentieren haben. Das kann echt hart sein, aber ich mag es auch sehr gerne online mit Leuten zu quatschen. Vor allem wenn man super liebe Nachrichten von einigen bekommt, die sich mit unserer Musik identifizieren können.

Moshed.net: Was war eure liebste Faninteraktion bisher?

Adam: Alle natürlich.

Jack: Die Wien Show Anfang des Jahres war krass.

Hector: Wir haben diesen legendären Fan namens Jude. Die ist super cool.

Jack: Allgemein trifft man bei diesen kleinen Clubshows die Leute erst so richtig und es ist nicht einfach nur eine schnelle Umarmung und ein Foto. Man hängt dann den ganzen Abend noch zusammen rum und lernt sich richtig kennen und morgens denkt man sich „cool, jetzt haben wir wieder neue Freunde“.

Hector: Es ist nicht so als würden wir eine Show spielen und uns denken „Lass es einfach schnell hinter uns bringen und danach direkt abhauen. Vielleicht sollten wir das manchmal aber besser machen. (lacht)

Moshed.net: Ich hab auf Instagram gesehen, dass ihr euer erstes Fan-Tattoo bekommen habt – wie war das für euch?

Jack: Ich hab das für sie aufgemalt! Und jetzt hat sie es für immer auf ihrer Haut. Und es war eines ihrer ersten Tattoos und ist so richtig sichtbar auf ihrem Arm. Das ist so krass. Und sie ist auch so lieb.

Adam: Sie war letztens auch für den Song mit uns auf der Bühne!

Jack: Und ich dachte anfangs sie würde nur einen Spaß machen, aber dann hat sie uns zwei Tage später geschrieben und meinte, dass sie ihren Termin schon gemacht hätte. Komplett verrückt. Das macht mich so glücklich.

Moshed.net: Es ist gar nicht mehr so lange bis ihr gleich auf die Bühne müsst – was macht ihr direkt davor?

Jack: Wir haben einige Rituale.

Declan: Wir geben unserem Tourmanager einen Nackenklatscher.

Adam: Nur ganz leicht natürlich!

Declan: Es ist quasi fast nur ein Streicheln.

Jack: Und wir haben immer eine große Gruppenumarmung direkt vorher. Und trinken einen Schnaps.

Moshed.net: Habt ihr Lampenfieber?

Declan: Für mich ist es eher das Adrenalin. Ich würde es nicht als Lampenfieber bezeichnen.

Jack: Es ist wirklich nur eine freudige Aufregung.

Declan: Auch zu wissen, dass wir vermutlich vor neuen Leuten spielen werden. Wir haben das Set jetzt einige Male gespielt und das neuen Leuten zu zeigen ist das beste.

Jack: Das liebe ich auch an Festivals. Bestenfalls machst du deinen Job so gut, dass du jemanden nachhaltig von deiner Band begeisterst.

Moshed.net: Und was passiert direkt nach der Show?

Jack: Da rennen wir sofort zum Merch. Das ist anstrengend, aber auch vermutlich mein Lieblingsteil der Show. Viele andere Bands beschweren sich darüber, dass sie ihre Fans nach den Shows noch treffen müssen, aber wir lieben es. Ich liebe die Aufmerksamkeit und Leute zu umarmen und kennenzulernen.

Moshed.net: Was ist für euch das wichtigste während einer Show?

Hector: Für mich ist es die Verbindung untereinander auf der Bühne. Vor allem wenn man alle sehen und hören kann, da kann man sich richtig gehen lassen.

Jack: Ich bin grundsätzlich ein sehr nervöser Mensch, aber sobald ich auf die Bühne gehe, ist das weg, weil so viele grinsende und klatschende Menschen vor einem stehen. Noch besser ist es wenn Leute mitsingen, auch wenn sie die Texte vielleicht gar nicht richtig können. Und Moshpits!

Declan: Wenn man sieht, dass andere Leute Spaß haben, hat man auch gleich viel mehr Spaß.

Moshed.net: Wen würdet ihr als eure größte musikalische Inspiration nennen?

Jack: Wir gehen alle in verschiedene Richtungen. Ich glaube für uns alle waren Nothing But Thieves vor allem zu Beginn unserer Band eine große Inspiration. Ich war schon immer großer Fan von den Strokes, Arcade Fire, Jamie T.  Hector zum Beispiel ist ein riesiger LED Zeppelin Fan.

Hector: Ich höre momentan auch viel Queens Of The Stone Age, primär wegen unserem Produzenten, Tom Leech, weil er so großer Fan von denen ist. Man hört den Einfluss auch in der Art wie er Songs produziert.

Jack: Er ist wirklich großartig. Aber man weiß nie so wirklich wo man bei ihm steht. Er ist super talentiert und weiß genau was er von der Musik will. Das ist auch witzig, weil Adam wird nie nervös vor Shows, außer wenn Tom da ist.

Declan: Tom sagt uns auch, dass wir immer hart arbeiten müssen. Wenn wir nicht perfekt spielen,  kriegen wir später richtig einen drüber.

Adam: Das ist großartiges Feedback. Aber ich hab echt Angst, wenn er da ist.

Hector: Einmal ist er nach einer Show zu mir gekommen und meinte „Ich hab die falsche Kickdrum gehört.“

Moshed.net: Wenn ihr es euch aussuchen könntet – bei wem würdet ihr gerne mal Support spielen?

Jack: 100% Nothing But Thieves. Ich glaube das würde so gut funktionieren, weil unsere Vibes sehr ähnlich sind.

Moshed.net: Die spielen im Januar in Deutschland. Vielleicht müsst ihr mal eine Anfrage rausschicken. Aber zurück zu euch, ihr habt letzte Woche erst eure neue Single „Exit Signs“ veröffentlicht – was steht als nächstes an? Ist euer Debütalbum in greifbarer Nähe?

Jack: Unser Plan momentan ist es tatsächlich unser Debütalbum erst Anfang 2025 zu veröffentlichen. Das ist noch eine Weile hin, aber ich glaube wir haben noch viel Arbeit an uns und unseren Songs zu tun und werden bis dahin noch einige Singles veröffentlichen. Heute spielen wir zum Beispiel zum ersten Mal einen Song, der noch nicht ganz fertig gestellt ist, „Fistful Of Money“. Aber sonst wollen wir alle paar Monate eine Single veröffentlichen und versuchen die Fanbase größer werden zu lassen, damit wir direkt die Nummer 1 kriegen, sobald wir unser Album veröffentlichen. (lacht) Aber mal schauen wie es dann wirklich laufen wird. Für die nächste EP fehlen jetzt noch ein oder zwei Songs und mal schauen in welche Richtung es dann gehen wird.

Moshed.net: Jack, du hattest in den vergangenen Jahren auch andere Bandprojekte, aber wie ist es zu Leap gekommen? Ihr kennt euch teilweise ja schon aus Kindheitstagen?

Jack: Hector und ich kenne uns schon seit wir 3 Jahre oder so alt sind, Declan und ich haben uns in einer Bar in Camden kennengelernt. Und ich fand ihn total cool und hab ihm am nächsten Tag geschrieben und meinte so „Lass uns mal treffen“ und er hat dann einen Freund mit zu dem Treffen gebracht, weil er dachte ich will was von ihm. Und Adam ist als letzter zur Gruppe dazugestoßen, aber er ist definitiv ein Kernmitglied und vermutlich der talentierteste von uns allen. Und er kann tanzen!

Moshed.net: Wie seid ihr auf die Idee gekommen die Band zu starten?

Jack: 2019 wurde meine letzte Band von unserem Label entlassen und ich hatte eine richtige Identitätskrise und unser Manager Joey meinte, dass ich wieder an mich selbst glauben soll und anfangen soll Songs zu schreiben. Und dann war Declan schnell mit dabei, auch wenn er eigentlich noch in anderen Bands gespielt hat. Und die Energie zwischen uns allen passt einfach. Wir hatten in den letzten Jahren einige Bands, die es fast geschafft haben, aber nie so wirklich und jetzt fühlt es sich alles richtig an.

Moshed.net: Woher kam der Bandname?

Jack: Die Idee kam von meinem Vater, der vor ein paar Jahren verstorben ist. Er war sehr kreativ und meinte, dass das Wort Leap quasi keine Verbindung zu irgendetwas hat. Es ist einfach eine positive Sache irgendwie, etwas zu dem man springen möchte, dass man etwas wagen möchte. Darum geht es für uns auch in der Band. Den nächsten Schritt im Leben zu wagen. Und es ist einfach auszusprechen, wenn man in einem Pub versucht zu erklären wie die Band heißt, geht es nicht total unter.

Moshed.net: Um so langsam zum Abschluss zu kommen – was ist für euch das beste daran in dieser Band zu sein?

Adam: Jack ist absolut irre.

Hector: Für mich war es immer mein größter Traum mit meinen besten Freunden die Welt zu bereisen. Besonders wenn wir dabei noch unsere Musik spielen dürfen.

Declan: Die Leute in der Band. Und etwas zu tun was man liebt und dabei so viele Orte zu sehen, von denen man nie gedacht hat, dass man sie mal zu Gesicht bekommt. Ich hab mehr von Deutschland gesehen, als ich jemals wollte. (lacht) Und man trifft so viele Leute – ich glaube allgemein sind es einfach die Leute. In der Band und auch die vor der Bühne.

Jack: Auch wenn es für uns nur einer von vielen Gigs ist, ist es für jemanden im Publikum vielleicht diese große Sache auf die sie seit Monaten warten. Es ist einfach so cool dann diesen Moment mit den Leuten zu verbringen.

Adam: Ich gehe mit allen Sachen die gesagt wurde. Und Jack ist wirklich komplett irre.

Hector: Adam mag Declan und mich scheinbar nicht. (lacht)

Moshed.net: Ich danke euch schonmal für eure Zeit. Auch an dieser Stelle gibt es hier für euch zum Abschluss die Chance für ein paar abschließende Worte.

Jack: Oh mist, das ist hart. Kommt zu unserer Tour! Wenn ihr wissen wollt, worum es bei Leap geht, müsst ihr es live sehen. Und wenn ihr es live gesehen habt, seid ihr danach ein Fan.

Foto: Thomas The Photographer

Nicola

Nicola

Die Indie-Ansprechpartnerin eures Vertrauens, häufiger auf Konzerten als in der Uni zu finden, besteht zu 90% aus Tee, meistens mit Kopfhörern in den Ohren, professionelle 1. Reihe Sprinterin.